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23. Dezember 2017, von Michael Schöfer
Zynismus? Ich doch nicht!


Halleluja! Halleluja! Besser hätte das Timing gar nicht ausfallen können. So kurz vor Weihnachten, das war bestimmt göttliche Fügung. Die Basilika Santa Maria di Collemaggio in der mittelitalienischen Stadt L'Aquila ist nun endlich wieder eröffnet worden. Der Ort wurde 2009 von einem schweren Erdbeben getroffen, das die Basilika vollständig zerstört hat. Aber nach jahrelangen Restaurationsarbeiten und Kosten in Höhe von 14 Mio. Euro ist sie jetzt fertig. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Den Wiederaufbau hat übrigens der italienische Energiekonzern Eni bezahlt. Halleluja! Halleluja!

Angesichts dessen kann man großzügig darüber hinwegsehen, dass viele Erdbebenopfer auch neun Jahre nach der Katastrophe noch immer in provisorischen Siedlungen leben. 12.000 sollen es sein, das hat jedenfalls die Neue Zürcher Zeitung Anfang September 2016 berichtet. Die Reparaturen gehen aktuellen Presseberichten zufolge eher schleppend voran, die Stadt sei eine riesige Baustelle. Nach dem derzeitigen Stand wird der Wiederaufbau von L'Aquila erst 2022 abgeschlossen sein. Wenigstens ist jetzt dort für die seelische Erbauung gesorgt. Von der Mutter Gottes behütet zu werden ist sowieso viel besser, als ein ordentliches Dach über dem Kopf zu haben. Halleluja! Halleluja! Und euch allen eine gesegnete Weihnacht.

Wie bitte? Was haben Sie gesagt? Nein, nein, ich neige überhaupt nicht zum Zynismus, so etwas liegt mir völlig fern. Wie kommen Sie darauf?