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07. Januar 2018, von Michael Schöfer
Falsche Versprechungen


US-Präsident Donald Trump hat die Iraner ermuntert, für einen Machtwechsel zu kämpfen. Und er versprach "zu gegebener Zeit eine kräftige Unterstützung seitens der Vereinigten Staaten". [1] Da nimmt er - wie gewohnt - den Mund ziemlich voll. Die USA haben schon häufiger Unterstützung versprochen, sie aber, wenn es darauf ankam, dennoch nicht gewährt. Bestes Beispiel: Während des Zweiten Golfkriegs (1991) ermunterte US-Präsident George H. W. Bush die Schiiten im Südirak zu einem Aufstand gegen Saddam Hussein. Und die waren so naiv, ihm zu glauben. Nachdem der Waffenstillstand erklärt wurde, ließ Bush die Schiiten jedoch allein. Sie mussten es bitter büßen, die Aufständischen hatten 30.000 - 60.000 Todesopfer zu beklagen. Wenn es darauf ankäme, wird Trump auch die Iraner allein lassen, denn er könnte ihnen nur helfen, indem er gegen den Iran einen umfassenden Krieg beginnt, das werden ihm wahrscheinlich schon seine Militärs auszureden versuchen. Wer unter diesen Vorzeichen die Lage im Iran bewusst anheizt, handelt absolut verantwortungslos. Nicht missverstehen: Es geht hier nicht um Sympathie für das iranische Mullah-Regime, sondern um die Einlösung von Zusagen und um die realistische Einschätzung der Möglichkeiten, tatsächlich einen Regimewechsel herbeizuführen. Aber nach allem, was man neuerdings über Donald Trump liest, überrascht das kaum.

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[1] Spiegel-Online vom 03.01.2018