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"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop 1914-1974, amerikanischer Journalist)




16. April 2015, von Michael Schöfer
Placebo-Politik


Die Bundesregierung will Alleinerziehende steuerlich entlasten. "Bislang können Alleinerziehende - zusätzlich zu anderen Freibeträgen - 1308 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen. Dieser Betrag soll nun um 600 auf 1908 Euro steigen. Und noch etwas soll sich ändern: Bislang galt der Betrag pauschal - unabhängig davon, wie viele Kinder in dem Haushalt lebten. Künftig soll er gestaffelt werden. Bei einem Kind gelten die 1908 Euro, für jedes weitere sollen 240 Euro dazu kommen." Doch das ist, wenigstens zum Teil, bloß Placebo-Politik.

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16. April 2015, von Michael Schöfer
Auch hier gilt: Oberstes Gebot ist die Aufklärung!


Als der Oppositionspolitiker Boris Nemzow Ende Februar in unmittelbarer Nähe des Kreml erschossen wurde, war das Entsetzen weltweit riesengroß. Vor allem deshalb, weil dieses Verbrechen das vorläufig letzte einer langen Mordserie war, der Kremlkritiker und regierungskritische Journalisten zum Opfer fielen. Stellvertretend für die vielen Namenlosen: die Journalistinnen Anna Politkowskaja, Natalja Estemirowa und Anastasia Baburowa, der Bürgerrechtler Stanislaw Markelow, der Chefredakteur der russischen Forbes-Ausgabe, Paul Klebnikov, der russische Politiker Sergej Juschenkow, der abtrünnige Geheimdienstler Alexander Litwinenko und möglicherweise auch der Oligarch Boris Beresowski, der unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben kam. Die Annahme, der/die Drahtzieher würde(n) im Kreml sitzen, ist naheliegend. Oberstes Gebot sei die rückhaltlose Aufklärung, hieß es allenthalben. Und das zu Recht. Obwohl man, sicherlich ebenso berechtigt, an der Objektivität der russischen Ermittler zweifelte.

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07. April 2015, von Michael Schöfer
Die Grenze zur Nörgelei ist fließend


Man kann's mit der Politikerschelte auch übertreiben, die Grenze zur Nörgelei ist bekanntlich fließend. Thomas Rothschild kritisiert in der Wochenzeitung "Kontext" am Beispiel des Absturzes der Germanwings-Maschine die Betroffenheitsgesten von Politikern: "Ihre öffentliche Trauer ist nicht mehr und nicht weniger als ein Sympathieköder, ein Selbstdarstellungsakt für die Medien, ein Kalkül, im besten Fall ein Ritual, ein rhetorisches Zeremoniell. Sie dient einzig und allein der Ausbeutung der allgemeinen Erschütterung für wahlarithmetische Zwecke." "Will man den Tränen dieser Herrschaften trauen?", fragt er mit Blick auf Angela Merkel, François Hollande und Mariano Rajoy, die umgehend an den Unglücksort eilten. Genauso gut könnte man fragen: Werden wir bloß von Zynikern regiert?

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04. April 2015, von Michael Schöfer
Seite 36


Die traurigsten Seiten einer Tageszeitung sind nicht die, in denen über Kriege, Morde oder Flugzeugunglücke berichtet wird. Nein, die traurigsten Seiten einer Tageszeitung sind natürlich die Bekanntschaftsanzeigen, versteckt ganz hinten auf Seite 36. Es gibt viel mehr einsame und gebrochene Herzen als Terroropfer, was Tageszeitungen allerdings für gewöhnlich völlig kalt lässt (es sei denn, es entwickeln sich daraus auflagensteigernde Beziehungsdramen). Wer hat eigentlich die romantische Liebe erfunden, nach der wir uns alle so furchtbar sehnen? Die Schriftsteller des 19. Jahrhunderts? Oder war es Hollywood? Und wer sorgt dafür, dass diese Illusion regelmäßig wie eine Seifenblase zerplatzt? Natürlich wir selbst, niemand anderes. In Liebesfilmen gibt es allerlei Verwicklungen, bis sie sich am Ende glücklich in den Armen liegen. Liebe Leut', in Wahrheit fängt doch damit der ganze Schlamassel erst an! In Filmen folgt an dieser Stelle der Abspann, im echten Leben beginnt dagegen der Alltag.

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03. April 2015, von Michael Schöfer
Immer dieser unnötige Aktionismus


Wenn Flugzeuge aus technischen Gründen verunglücken, kann man darauf wetten, dass die Medien anschließend über Wochen hinweg zahlreiche Meldungen über Störungen bei Flügen verbreiten. Das ist so, als ob die Presse nach einer Massenkarambolage auf der Autobahn quasi über jeden einzelnen Reifenplatzer berichten würde. Dabei sind Flugstörungen an der Tagesordnung und gehen in der Regel glimpflich aus.

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30. März 2015, von Michael Schöfer
Gewerkschafter sein ist schwer


Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst der Länder ist endlich unter Dach und Fach, die Verhandlungen zogen sich diesmal ungewöhnlich lange hin. Das Ergebnis ist dennoch ziemlich mager ausgefallen: Die Beschäftigten der Länder bekommen ab dem 1. März 2015 2,1 Prozent mehr Geld. Und ab dem 1. März 2016 gibt es noch einmal 2,3 Prozent, mindestens jedoch 75 Euro. Angesichts der voraussichtlich niedrigen Inflationsrate (die EZB prognostiziert für das laufende Jahr im Euroraum 0,0 %), haben die Beschäftigten immerhin einen Reallohnzuwachs. Zudem wurden Kürzungen bei der Zusatzversorgung (VBL) abgewehrt.

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27. März 2015, von Michael Schöfer
Subjektive Einschätzung widerspricht objektiven Tatsachen


Der Absturz der A320 der Fluggesellschaft Germanwings in den französischen Alpen, bei dem 150 Menschen ums Leben kamen, ist zweifelsohne eine furchtbare Katastrophe. Insbesondere der Tod einer deutschen Schulklasse aus Nordrhein-Westfalen mit 16 Schülern und zwei Lehrern erschüttert zutiefst. Für Eltern gibt es wohl nichts Schlimmeres, als ihre Kinder beerdigen zu müssen. Wie immer bei solch spektakulären Ereignissen, erinnert sei hier nur an das mysteriöse Verschwinden von Flug MH370 oder der Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine, bringt das Fernsehen ständig Sondersendungen und in den Gazetten wird tagelang ausgiebig über das Unglück berichtet.

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21. März 2015, von Michael Schöfer
Die Intoleranz des Homo sapiens ist erstaunlich


Der Mensch ist ein eigentümliches Wesen. Dass er zu den schlimmsten Verbrechen fähig ist, um seine maßlose Gier nach Macht und Reichtum zu befriedigen, ist ja noch einigermaßen verständlich (gleichwohl keinesfalls zu rechtfertigen). Im gnadenlosen Überlebenskampf in der freien Natur, dem wir erst seit einigen Jahrtausenden entronnen sind, mussten unsere Vorfahren notgedrungen an sich reißen, was ihnen unter die Augen kam. Und das in vielen Fällen mit Gewalt. Die Prägung von Millionen Jahren lässt sich eben nicht so einfach abschalten, nur weil wir plötzlich die Zivilisation erfunden haben. In unserer stammesgeschichtlichen Entwicklung ist das bloß ein Wimpernschlag. Ein Relikt dieser damals lebenswichtigen Raffgier sind unsere Fettpölsterchen, die wir - obgleich den Widrigkeiten der Wildnis längst entwachsen - nach wie vor ansammeln, ganz so als ob morgen eine unfreiwillige Fastenzeit begänne.

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19. März 2015, von Michael Schöfer
Ist das peinlich!


"Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen", heißt es in Ziffer 2 des Pressekodex des Deutschen Presserats unter der Überschrift "Sorgfalt". Und in den "Grundsätzen für die Zusammenarbeit im ARD-Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen" steht: "Bei der Wiedergabe von Interviews und Statements darf der Sinn der Aussage nicht verändert oder verfälscht werden. Das gilt insbesondere bei Kürzungen und bei der Verwertung von Archivmaterial. Personen, die um Mitwirkung an einer Sendung gebeten werden, dürfen über Art und Zweck ihrer Mitwirkung nicht getäuscht werden. (…) Alle Beiträge haben den Grundsätzen journalistischer Sorgfalt und Fairness und ihrer Gesamtheit der Vielfalt der Meinungen zu entsprechen. Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen."

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15. März 2015, von Michael Schöfer
Schäuble fehlt die notwendige Souveränität


Das Zeitalter der Vernunft? Definitiv nicht anno 2015! Schauen Sie sich doch bloß unsere Politiker an: Panos Kammenos holzt gegen Wolfgang Schäuble, Wolfgang Schäuble
wiederum grätscht von hinten Yanis Varoufakis in die Beine. Wie Schulbuben in der Hofpause. Hau drauf! Aber kräftig! Die Auflösungserscheinungen sind unverkennbar, Kulturpessimisten haben Hochkonjunktur. Man sehnt sich förmlich nach der Noblesse eines Richard von Weizsäcker, der in der Öffentlichkeit nie die Contenance verlor und bei Konflikten mit einer bewundernswerten Nonchalance persönliche Befindlichkeiten zurückstellen konnte. Vielleicht hatte es mit seinem Beruf zu tun, Weizsäcker war Jurist. Wenn Anwälte nur diejenigen verteidigen würden, die ihnen sympathisch sind, würden sie wohl ausnahmslos Hartz IV beziehen. Nein, es ist vielmehr ihre ureigenste Aufgabe, selbst dem schlimmsten Rechtsbrecher vor Gericht beizustehen, weil ein Rechtsstaat gar nicht anders funktionieren kann. Persönliche Befindlichkeiten haben hier nichts zu suchen. Dies auseinanderzuhalten gehört zum Beruf des Juristen. Und des Politikers.

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