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"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop 1914-1974, amerikanischer Journalist)




06. Juli 2015, von Michael Schöfer
Pyrrhussieg


König Pyrrhos I. von Epirus besiegte 279 v. Chr. in der Schlacht bei Asculum die Römer, aber angesichts der hohen eigenen Verluste soll er gesagt haben: "Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!" Der besagte Pyrrhussieg. Er gewann zwar im Laufe seines mehrjährigen Feldzuges etliche Schlachten, verlor jedoch am Ende den Krieg, weil seine durch die Siege geschwächten Truppen 275 v. Chr. die letzte Schlacht bei Maleventum verloren. Das Wörterbuch Wiktionary erläutert, was unter einem Pyrrhussieg zu verstehen ist: "Ein unter (äußerst) hohem Einsatz und unter (zu großen) Opfern errungener Erfolg, der aufgrund dessen keinen Vorteil mehr darstellt und (mittelfristig) eher einem Fehlschlag/einer Niederlage gleichkommt."

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05. Juli 2015, von Michael Schöfer
Peter Kurz gewinnt in Mannheim


Auch in den nächsten acht Jahren wird in Mannheim der Oberbürgermeister Peter Kurz heißen.

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02. Juli 2015, von Michael Schöfer
Warum eigentlich ausgerechnet die Zeitungen?


Griechen-Bashing ist momentan en vogue. Aber warum brillieren beim Trommelfeuer der Medien ausgerechnet die Zeitungen? Das ist doch im Grunde vollkommen unverständlich, denn sie sind in einer ähnlichen Situation.

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01. Juli 2015, von Michael Schöfer
Die Verachtung gilt in Wahrheit der Demokratie

Die Menschen vergessen ja gerne, und das vor allem ziemlich rasch. Zugegeben, die Griechen sind an ihrer jetzigen Situation nicht unschuldig, die politische Kultur des Ägäis-Staates ist zu einem Gutteil von Nepotismus, Inkompetenz und Korruption geprägt. Das muss sich natürlich ändern. Aber anstatt den gefallenen Brüdern und Schwestern die Hand zu reichen, haben wir sie mit der Sparpolitik der Troika gequält und damit noch tiefer in den Sumpf gestoßen. Die Wirtschaft ist dort zwischen 2008 und 2014 um ein Viertel eingebrochen, die Arbeitslosigkeit hingegen geradezu explodiert. "Selbst schuld", werfen viele den Griechen an den Kopf. Hätten die Alliierten nach der Schreckenszeit des von uns verursachten Zweiten Weltkriegs die Deutschen ähnlich behandelt, hätte es weder die Londoner Schuldenkonferenz noch den Marshallplan gegeben. Aber heute tun wir so, als ob wir uns damals am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hätten. Wirtschaftswunder, nennen wir diese Phase. Mythos: Das sei alles bloß dem Fleiß der Deutschen zu verdanken. Nein, denn ohne echte Hilfe von außen wäre Deutschland wirtschaftlich für längere Zeit am Boden liegen geblieben. Die Betonung liegt auf "echte".

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30. Juni 2015, von Michael Schöfer
Ein Vorbild an Ausgewogenheit


Liebe ARD, übertreibt Ihr es nicht ein bisschen mit dem Griechenland-Bashing? Als Gebühren zahlender Zuschauer erwarte ich ein Mindestmaß an Ausgewogenheit. Gehört das nicht zu den journalistischen Standards, denen Ihr verpflichtet seid? Bloß zur Erinnerung: "Die ARD hat bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit der Programme und Angebote zu berücksichtigen. Das Gebot der Vielfalt gilt besonders für informierende und meinungsbildende Sendungen." Das steht jedenfalls in den "Grundsätzen für die Zusammenarbeit im ARD-Gemeinschaftsprogramm". Doch haltet Ihr Euch auch daran? Ich habe da, gelinde gesagt, ein paar Zweifel.

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28. Juni 2015, von Michael Schöfer
Ignoranz, Voreingenommenheit und Angst vorm Volk


Das Theater in der Europäischen Union kann man nur noch als Trauerspiel bezeichnen. Die Gemeinschaft hat 507,42 Mio. Einwohner, kann sich aber nicht einmal auf die verbindliche Verteilung von 60.000 Flüchtlingen einigen. Tschechien beispielsweise, ein Land mit 10,5 Mio. Einwohnern, sieht sich außerstande, die von der EU-Kommission vorgeschlagene Quote zu erfüllen und 1.854 Flüchtlinge aufzunehmen. Auch der Slowakei (5,4 Mio. Einwohner) sind 1.104 Flüchtlinge viel zu viel. 1968, nach dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings, flüchteten allein nach Österreich 162.000 Tschechen und Slowaken. 1956, nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands durch die UdSSR, wurden dort 200.000 Ungarn aufgenommen. Heute will Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sein Land mithilfe eines Zaunes gegen Flüchtlinge abschotten, gewissermaßen ein neuer Eiserner Vorhang. Eine Schande! Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat vollkommen recht, wenn er sagt: "Wenn das Eure Vorstellung von Europa ist, dann könnt Ihr es lassen."

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24. Juni 2015, von Michael Schöfer
Reinhold Galls Tweet passt wie die Faust aufs Auge


Der Innenminister von Baden-Württemberg, Reinhold Gall (SPD), hat kürzlich für einen Tweet heftige Kritik und beißenden Spott geerntet. Gall schrieb auf Twitter: "Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte, wenn wir einen Kinderschänder überführen." Kinderschänder, Kinderpornokonsumenten oder Terroristen müssen ja stets dann herhalten, wenn es darum geht, den Überwachungswahn zu rechtfertigen. Dieses "Argument" wurde ja bereits von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (Spitzname: Zensursula) verwendet, als sie mit dem Zugangserschwerungsgesetz Internetseiten sperren wollte.

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23. Juni 2015, von Michael Schöfer
Soziale Projektion


Jetzt wird der OB-Wahlkampf in Mannheim ein bisschen schmutzig. Und dafür lieben wir sie ja, unsere Politiker. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Am 5. Juli 2015 kommt es in der Quadratestadt zu einer Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Peter Kurz (SPD) und Peter Rosenberger (CDU). Im ersten Wahlgang stand es 46,8 zu 33,8 Prozent für Kurz.

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20. Juni 2015, von Michael Schöfer
Auflösungserscheinungen


Wir wähnten uns ja lange in der irrigen Annahme, auf der Seite der Sieger zu stehen, denn 1989 ist bekanntlich der Kommunismus gescheitert. Nur der Kommunismus? Wenn ich mir die Auflösungserscheinungen in Europa ansehe offenbar nicht bloß der. Griechenland droht die Pleite, Großbritannien verlässt unter Umständen die EU, in etlichen Mitgliedstaaten, zuletzt in Dänemark (Dänische Volkspartei), erringen fremden- und europafeindliche Rechtspopulisten erstaunliche Erfolge bei den Parlamentswahlen. Angela Merkels Spardiktat schlägt tiefe soziale Wunden in ganz Südeuropa, dennoch hält sie trotz den verheerenden Auswirkungen ihrer Politik unbeirrt daran fest. Außerhalb Deutschlands schlagen die Ökonomen die Hände über dem Kopf zusammen. Und ganz nebenbei liefert uns die EU-Kommission mit Freihandelsabkommen an die Amerikaner aus.

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20. Juni 2015, von Michael Schöfer
Wir haben die Politiker, die wir verdienen


Der griechische Philosoph Platon (428/427 - 348/347 v. Chr.) wollte die Geschicke des Staates in die Hände von Philosophen legen. In seinem Werk "Der Staat" propagierte er die Regentschaft der Besten. Doch schon zu Lebzeiten Platons hatten die Menschen große Probleme mit seinem utopischen Staatsentwurf, er wurde deshalb auch nie verwirklicht. Und wenn ich mir ansehe, was heutige Philosophen so von sich geben, etwa Peter Sloterdijk, der "Zwangssteuern" (z.B. die progressive Einkommensteuer) abschaffen möchte und deren Umwandlung in freiwillige "Geschenke an die Allgemeinheit" fordert, muss ich den Skeptikern Platons sogar recht geben. Nebenbei bemerkt: Sloterdijk studierte in München und Hamburg an Universitäten, die natürlich durch "Zwangssteuern" finanziert wurden. Sein Professorengehalt dürfte ebenfalls kaum von den Geschenken vermögender Gönner herrühren.

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18. Juni 2015, von Michael Schöfer
Man greift sich an den Kopf


Griechenland und kein Ende. Man hat das Gefühl, es wird bloß noch einer gesucht, dem man für die absehbare Pleite des Ägäis-Staates und die daraus resultierenden Verwerfungen auf dem Finanzsektor die Schuld in die Schuhe schieben kann. In Deutschland scheint die Meinung ohnehin schon längst festzustehen: Natürlich sind allein die Griechen schuld.

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15. Juni 2016, von Michael Schöfer
Extrem niedrige Wahlbeteiligung in Mannheim


Amtsinhaber Peter Kurz (SPD) hat bei der OB-Wahl in Mannheim im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit deutlich verfehlt, damit wird es am 5. Juli 2015 einen zweiten Wahlgang geben. Die Reaktionen auf das Wahlergebnis sind naturgemäß recht unterschiedlich. Während Kurz offen zugibt, sein Wahlziel, die absolute Mehrheit gleich im ersten Wahlgang, verfehlt zu haben, freuen sich CDU-Kandidat Peter Rosenberger und der Kandidat der Mannheimer Liste, Christopher Probst.

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13. Juni 2015, von Michael Schöfer
Wer ist der wahre Schuldige?


Die Geschichte zu erforschen und die Bedeutung von Ereignissen zu bewerten, ist ziemlich schwierig. Erstens gibt es oft nur spärliche Zeugnisse der Geschehnisse, viele Belege sind in den Wirren der Jahrtausende verschollen oder wurden zerstört. Zweitens wird die Geschichtsschreibung nicht selten bloß aus der Perspektive der Sieger geschildert, die Sichtweise der Besiegten geht dabei gelegentlich völlig unter. Und drittens ist sie auch noch von Mythen überlagert, die wiederum von Politikern bewusst dazu benutzt werden, deren Herrschaft zu legitimieren und Oppositionelle auszugrenzen. Schlichte Gemüter sind ja bekanntlich leicht durch pathetisches Geschwätz zu beeindrucken. Das heilige Vaterland, die stolzen und heldenhaften Krieger, die kostbare Heimaterde, die Flagge, vor der man inbrünstig salutiert, die schwülstige Hymne und ähnlich überhöhter Krimskrams aus der Kiste der nationalistischen Verblödung.

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12. Juni 2015, von Michael Schöfer
Die Demokratie verkommt zum Zerrbild


Die Nato, so behauptet sie zumindest, sei ein Verteidigungsbündnis und zugleich eine Wertegemeinschaft. Kürzlich hat jedoch eine Umfrage aufgeschreckt, die am Verteidigungswillen ihrer Bürger große Zweifel weckt. "58 Prozent der befragten Deutschen sagen, dass Deutschland im Falle eines 'ernsthaften militärischen Konflikts' zwischen Russland und einem benachbarten Nato-Land dem Verbündeten nicht militärisch zur Hilfe kommen sollte. (…) Nur 38 Prozent der Deutschen würden dem Partner helfen - also Artikel 5 des Nato-Vertrags achten: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle." Gleichzeitig sinkt die Zustimmung der Deutschen zur Nato rapide, aktuell haben lediglich 55 Prozent ein positives Bild vom Bündnis (2009 waren es noch 73 %).

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08. Juni 2015, von Michael Schöfer
Wasser in den Wein der Gipfel-Euphorie gießen


Wenn Gipfel-Beschlüsse tatsächlich etwas bewirken würden, befände sich die Welt längst in paradiesischen Zuständen. Bedauerlicherweise sind solche Willensbekundungen oft nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Absichtserklärungen sind bekanntlich noch keine Taten, aber in der Realität kommt es ausschließlich auf Letztere an.

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