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"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop 1914-1974, amerikanischer Journalist)




21. März 2015, von Michael Schöfer
Die Intoleranz des Homo sapiens ist erstaunlich


Der Mensch ist ein eigentümliches Wesen. Dass er zu den schlimmsten Verbrechen fähig ist, um seine maßlose Gier nach Macht und Reichtum zu befriedigen, ist ja noch einigermaßen verständlich (gleichwohl keinesfalls zu rechtfertigen). Im gnadenlosen Überlebenskampf in der freien Natur, dem wir erst seit einigen Jahrtausenden entronnen sind, mussten unsere Vorfahren notgedrungen an sich reißen, was ihnen unter die Augen kam. Und das in vielen Fällen mit Gewalt. Die Prägung von Millionen Jahren lässt sich eben nicht so einfach abschalten, nur weil wir plötzlich die Zivilisation erfunden haben. In unserer stammesgeschichtlichen Entwicklung ist das bloß ein Wimpernschlag. Ein Relikt dieser damals lebenswichtigen Raffgier sind unsere Fettpölsterchen, die wir - obgleich den Widrigkeiten der Wildnis längst entwachsen - nach wie vor ansammeln, ganz so als ob morgen eine unfreiwillige Fastenzeit begänne.

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19. März 2015, von Michael Schöfer
Ist das peinlich!


"Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen", heißt es in Ziffer 2 des Pressekodex des Deutschen Presserats unter der Überschrift "Sorgfalt". Und in den "Grundsätzen für die Zusammenarbeit im ARD-Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen" steht: "Bei der Wiedergabe von Interviews und Statements darf der Sinn der Aussage nicht verändert oder verfälscht werden. Das gilt insbesondere bei Kürzungen und bei der Verwertung von Archivmaterial. Personen, die um Mitwirkung an einer Sendung gebeten werden, dürfen über Art und Zweck ihrer Mitwirkung nicht getäuscht werden. (…) Alle Beiträge haben den Grundsätzen journalistischer Sorgfalt und Fairness und ihrer Gesamtheit der Vielfalt der Meinungen zu entsprechen. Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen."

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15. März 2015, von Michael Schöfer
Schäuble fehlt die notwendige Souveränität


Das Zeitalter der Vernunft? Definitiv nicht anno 2015! Schauen Sie sich doch bloß unsere Politiker an: Panos Kammenos holzt gegen Wolfgang Schäuble, Wolfgang Schäuble
wiederum grätscht von hinten Yanis Varoufakis in die Beine. Wie Schulbuben in der Hofpause. Hau drauf! Aber kräftig! Die Auflösungserscheinungen sind unverkennbar, Kulturpessimisten haben Hochkonjunktur. Man sehnt sich förmlich nach der Noblesse eines Richard von Weizsäcker, der in der Öffentlichkeit nie die Contenance verlor und bei Konflikten mit einer bewundernswerten Nonchalance persönliche Befindlichkeiten zurückstellen konnte. Vielleicht hatte es mit seinem Beruf zu tun, Weizsäcker war Jurist. Wenn Anwälte nur diejenigen verteidigen würden, die ihnen sympathisch sind, würden sie wohl ausnahmslos Hartz IV beziehen. Nein, es ist vielmehr ihre ureigenste Aufgabe, selbst dem schlimmsten Rechtsbrecher vor Gericht beizustehen, weil ein Rechtsstaat gar nicht anders funktionieren kann. Persönliche Befindlichkeiten haben hier nichts zu suchen. Dies auseinanderzuhalten gehört zum Beruf des Juristen. Und des Politikers.

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11. März 2015, von Michael Schöfer
Fehlendes Vertrauen


Wenn Politiker sich selbst zum Narren machen, kann das durchaus lustig sein. Helmut Kohl zum Beispiel. Der frühere Bundeskanzler soll einst gesagt haben: "Ich weiß nicht, was mein Freund Mitterand darüber denkt, aber ich denke genauso." Das war, ganz untypisch für Kohl, sogar etwas hintergründig. Ob beabsichtigt oder nicht, sei dahingestellt. Jedenfalls müssen Zuhörer kurz darüber nachdenken, welchen Nonsens der Satz konkret enthält. Der Groschen fällt oft erst nach ein paar Sekunden.

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10. März 2015, von Michael Schöfer
Starke Worte - und nichts dahinter


Der Bürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt ist nach wochenlangen Anfeindungen durch Rechtsextreme zurückgetreten. Das empört Bundespolitiker. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: "'Wenn sich in unserer rechtsstaatlichen Demokratie ein gewählter Bürgermeister vor einem braunen Mob nicht mehr geschützt sieht, müssen alle Alarmglocken schrillen.' (…) Bundesjustizminister Heiko Maas nannte es 'eine Tragödie für unsere Demokratie, wenn ein gewählter Bürgermeister wegen Anfeindungen von Neonazis zurücktreten muss'. Politik und Zivilgesellschaft müssten 'klar Position beziehen: Hetze gegen Flüchtlinge, Hetze gegen demokratisch gewählte Bürgermeister - das geht gar nicht.'"

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08. März 2015, von Michael Schöfer
Eine gemeinsame EU-Armee?

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordert die Gründung einer gemeinsamen europäischen Armee, mit ihr könne Europa glaubwürdig auf eine Bedrohung des Friedens reagieren. Juncker will seinen Vorschlag ausdrücklich als Signal an Moskau verstanden wissen. Damit kann man "Russland den Eindruck vermitteln, 'dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union'."

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03. März 2015, von Michael Schöfer
Leider kein verfrühter Aprilscherz


Manchmal greift man sich buchstäblich an den Kopf. Da befinden wir uns gerade inmitten einer gefährlichen Auseinandersetzung mit Islamisten und versuchen, ihnen gegenüber unsere Überzeugungen unter Hinweis auf die säkulare Demokratie zu verteidigen - und dann haben einige nichts Besseres zu tun, als einen Gottesbezug in der schleswig-holsteinischen Verfassung zu fordern. Mit von der Partie: die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und Björn Engholm (SPD). Das können die nie und nimmer ernst meinen, dachte ich zuerst. Quasi ein verfrühter Aprilscherz. Doch ich fürchte, die nehmen das tatsächlich ernst. Woher wollen Carstensen und Engholm überhaupt wissen, dass es einen Gott gibt? Nun, sie werden vermutlich an ihn glauben. Das bleibt ihnen unbenommen, schließlich herrscht hierzulande Religionsfreiheit. Aber müssen andere diesen Glauben zwangsweise via Landesverfassung mit ihnen teilen? In meinen Augen ist diese Forderung doppelzüngig. Wie war das nochmal mit der säkularen Demokratie? Oder gilt dieser Grundsatz nur, wenn wir mit Islamisten konfrontiert sind?

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01. März 2015, von Michael Schöfer
Die Drahtzieher bleiben wahrscheinlich im Dunkeln


"Cui bono", muss man bei politischen Morden und dubiosen Selbstmorden zuallererst fragen. Wem nützt es? Doch ganz so einfach ist die Sache selten, denn die Antwort ist mitunter schwierig. Hat der angebliche Suizid des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman Staatspräsidentin Cristina Kirchner nun genützt oder geschadet? Politisch wohl eher geschadet, weil ihr die Öffentlichkeit sogleich unterstellte, sie habe etwas mit dem Tod Nismans zu tun. Insofern könnten durchaus auch Kirchners Gegner ein Interesse am Tod des Staatsanwalts gehabt haben - und zwar, um ihr die Tat in die Schuhe zu schieben.

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21. Februar 2015, von Michael Schöfer
Gelogen wird auf beiden Seiten


Die Süddeutsche berichtet über eine Handreichung des Auswärtigen Amtes für seine Mitarbeiter, die sich mit "Moskaus Mythen" befasst. Darin wird u.a. behauptet, es habe nie ein Versprechen der Nato gegeben, sich nicht nach Osten auszudehnen. Das ist nachweislich falsch.

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20. Februar 2015, von Michael Schöfer
Deutsche Sprach', schwere Sprach'


Okay, okay, jeder greift beim Sprachgebrauch gelegentlich daneben, insbesondere wenn es sich um Fremdwörter handelt. Ist mir auch schon passiert (wer diesbezüglich ohne Fehler ist, werfe den ersten Duden). Nicht schlimm, aber mitunter peinlich. Manchmal schwanke ich: Passt jenes Fremdwort oder das andere? Vielleicht sollte man am besten, zumindest an solchen Textstellen, ganz auf den Gebrauch von Fremdwörtern verzichten. Rein prophylaktisch, versteht sich. Verzeihung: vorsorglich. Allerdings fällt es zuweilen schwer, Fremdwörter richtig einzudeutschen.

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