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"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop 1914-1974, amerikanischer Journalist)




26. Mai 2015, von Michael Schöfer
Selbstzerstörerisch und beratungsresistent


Früher, lang, lang ist's her, gab es in den meisten Ländern Europas eine sozialdemokratische und eine konservative Partei, die einander beim Regieren ablösten. Beide Parteien deckten einen Großteil des politischen Spektrums ab. Doch die Sozialdemokraten sind schon lange nicht mehr gemäßigt links. Und die Konservativen sind, nun ja, nicht mehr so richtig konservativ. Der ehedem jeweils klar gegeneinander abgrenzbare Wertekanon hat sich allmählich aufgelöst. Mit der Folge, dass sich Sozialdemokraten und Konservative angenähert haben. Die Menschen? Haben der Wirtschaft zu dienen! Notfalls wird ihnen das mit Hilfe von "Reformen" beigebracht. Diese Politik ist heute bei Sozialdemokraten und Konservativen Konsens. Mittlerweile leben wir deshalb in der "marktkonformen Demokratie", der sich alles unterzuordnen hat. Ergebnis: Die Reichen werden reicher, die Armen hingegen ärmer. Und die Mittelschicht erodiert, hat etwa große Mühe, in den Ballungsräumen die horrenden Mieten zu bezahlen. London, Paris, München - für Durchschnittsverdiener inzwischen nahezu unerschwinglich. Und leider nicht nur dort.

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25. Mai 2015, von Michael Schöfer
Ach so, na dann...


Nehmen wir an, Sie kommen mit einem nagelneuen 7er BMW in eine Polizeikontrolle. Der Beamte klopft ans Seitenfenster und verlangt höflich die Fahrzeugpapiere. "Papiere? Hab' ich keine", antworten Sie ihm. "Einen Moment bitte", sagt der Polizist und geht zu seinem Streifenwagen. Nach fünf Minuten kehrt er zurück. "Der BMW ist als gestohlen gemeldet, bitte steigen Sie aus dem Wagen aus", fordert er schon eine Spur barscher. "Das kann gar nicht sein", antworten Sie ihm, "ich bin der rechtmäßige Besitzer des Wagens, beweisen kann ich das allerdings nicht. Aber Sie dürfen es mir ruhig glauben." Die Miene des Polizeibeamten hellt sich auf: "Ach so, na dann... Das ändert natürlich alles. Verzeihen Sie, dass wir Sie belästigt haben." Mit einem "weiterhin gute Fahrt" winkt er Sie aus der Kontrollstelle heraus und Sie brausen davon.

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23. Mai 2015, von Michael Schöfer
Ob das die Zukunft des Journalismus ist?


Niemand wird ernsthaft behaupten, dass Weblogs irgendwann einmal Zeitungen ersetzen könnten. So berichtet beispielsweise die Süddeutsche aktuell über einen europaweiten Lebensmittel-Skandal, in den eine bayerische Firma involviert sein soll und bei dem die Lebensmittelüberwachung des Freistaats offenbar kläglich versagt hat. Es werden Ross und Reiter genannt. Zeitungen haben nicht nur häufig Zugang zu nichtöffentlichen Informationsquellen und verfügen über Ressourcen für investigative Recherchen, sie können sich die Veröffentlichung auch unter juristischen Gesichtspunkten erlauben.

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22. Mai 2015, von Michael Schöfer
Wenn Steine laufen könnten


Der Krieg in Syrien und im Irak geht weiter, jeden Tag sterben Menschen. Doch in den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, das Morden sei abgeflaut. Zumindest verschwand das Thema weitgehend aus den Schlagzeilen der Gazetten, wurde von der Berichterstattung über das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer verdrängt. Nun ist der Konflikt in Nahost wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, der sogenannte "Islamische Staat" hat nämlich soeben die antike Ruinenstadt Palmyra erobert, die zum Weltkulturerbe gehört. Und Kulturgüter, die aus der beschränkten Sichtweise der Dschihadisten nichts mit dem Islam zu tun haben, werden von ihnen demonstrativ zerstört. Götzenbilder eben. So wie etwa die 3.000 Jahre alte Ruinenstadt Nimrud, die der IS vor kurzem mit Vorschlaghämmern und Sprengstoff dem Erdboden gleich gemacht hat. Die Welt ist angesichts dieser Barbarei zu Recht entsetzt.

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14. Mai 2015, vom Michael Schöfer
Diese Haltung entbehrt nicht eines gewissen Zynismus

Dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge sind derzeit weltweit ca. 45,2 Mio. Menschen auf der Flucht. Und obgleich davon nur ein Bruchteil Europa erreicht, steigen hier die Flüchtlingszahlen dramatisch an. Nach Angaben des UNHCR wurden 2014 in den 28 EU-Mitgliedstaaten insgesamt 570.800 Asylanträge registriert, das sind 44 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Vom Zustrom betroffen sind insbesondere Mittelmeeranrainer wie Italien, die sich überfordert fühlen (und es wegen der mangelnden Solidarität der übrigen EU-Staaten auch tatsächlich sind).

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09. Mai 2015, von Michael Schöfer
Absurde Ergebnisse des Mehrheitswahlrechts


Die Menschen mögen es ja gerne eindeutig, das mühsame Ringen um Mehrheiten und das unablässige Suchen von Kompromissen genießt den schlechten Ruf des Schacherns. In Italien gilt neuerdings ein Wahlrecht, das der stärksten Partei einen Bonus verschafft und ihr im Parlament die absolute Mehrheit garantiert. Das als notorisch unregierbar geltende Land soll durchgelüftet werden, doch es gibt gravierende demokratietheoretische Einwände. Andere liebäugeln mit der Einführung des Mehrheitswahlrechts, das schaffe ebenfalls klare Mehrheiten. Die Regierenden könnten so ganz auf die lästige Kompromisssuche verzichten und ohne Rücksichtnahme auf Koalitionspartner bestimmen, wo es langzugehen hat.

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05. Mai 2015, von Michael Schöfer
Scheibchenweise Demokratieabbau


Die Politik verspielt unsere Demokratie. Und das scheibchenweise. Bei den geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Kanada und den USA (CETA, TTIP) soll eine private Paralleljustiz entstehen, die sogenannten Schiedsgerichte. Auf diese Weise könnten Gesetze durch die Hintertür ausgehebelt werden. Die Souveränität läge dann nicht mehr, so wie es unsere Verfassung vorsieht, beim Volk, sondern wenigstens teilweise in den Händen nichtstaatlicher Gerichte. Parlamente, die solchen Verträgen zustimmen, entmachten sich dadurch faktisch selbst.

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01. Mai 2015, von Michael Schöfer
Völkermord


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nennt den Völkermord an ca. 1,5 Millionen Armeniern (1915/1916) lediglich "traurige Ereignisse". Und er ist böse auf diejenigen, die diesen Völkermord auch als solchen bezeichnen. Das wären Behauptungen, "die auf armenischen Lügen basieren", will uns Erdogan glauben machen. Die Türkei hat wahrlich noch viel aufzuarbeiten. Der historischen Wahrheit ins Gesicht zu blicken ist ebenso schmerzhaft wie notwendig.

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25. April 2015, von Michael Schöfer
Träume von Abenteuer und Männerfreiheit


Was machen alte Säcke, die nicht mehr an die jungen, hübschen Studentinnen herankommen, weil diese schlicht und ergreifend keine Lust darauf haben, mit mehr als doppelt so alten Männern in die Kiste zu steigen? Sie sublimieren! Subli... was? "Sigmund Freud verstand unter Sublimierung eine Umwandlung oder Umlenkung von Libido in 'sozial nützliche' Errungenschaften, in eine geistige Leistung oder kulturell anerkannte Verhaltensweise (vor allem in den Bereichen wie Kunst und Wissenschaft). (…) Nach psychoanalytischer Deutung ist die Entstehung der gesamten menschlichen Kultur das Ergebnis von Sublimierung", lesen wir bei Wikipedia.

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20. April 2015, von Michael Schöfer
Bitte etwas mehr Demut und Empathie


Gelegentlich muss man Deutschland in Erinnerung rufen, wie dankbar es sein kann, nach 1945 äußerst großzügig behandelt worden zu sein. Großzügiger als es angesichts der schier unbeschreiblichen Verbrechen zu erwarten gewesen wäre.

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