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"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop 1914-1974, amerikanischer Journalist)




03. März 2015, von Michael Schöfer
Leider kein verfrühter Aprilscherz


Manchmal greift man sich buchstäblich an den Kopf. Da befinden wir uns gerade inmitten einer gefährlichen Auseinandersetzung mit Islamisten und versuchen, ihnen gegenüber unsere Überzeugungen unter Hinweis auf die säkulare Demokratie zu verteidigen - und dann haben einige nichts Besseres zu tun, als einen Gottesbezug in der schleswig-holsteinischen Verfassung zu fordern. Mit von der Partie: die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und Björn Engholm (SPD). Das können die nie und nimmer ernst meinen, dachte ich zuerst. Quasi ein verfrühter Aprilscherz. Doch ich fürchte, die nehmen das tatsächlich ernst. Woher wollen Carstensen und Engholm überhaupt wissen, dass es einen Gott gibt? Nun, sie werden vermutlich an ihn glauben. Das bleibt ihnen unbenommen, schließlich herrscht hierzulande Religionsfreiheit. Aber müssen andere diesen Glauben zwangsweise via Landesverfassung mit ihnen teilen? In meinen Augen ist diese Forderung doppelzüngig. Wie war das nochmal mit der säkularen Demokratie? Oder gilt dieser Grundsatz nur, wenn wir mit Islamisten konfrontiert sind?

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01. März 2015, von Michael Schöfer
Die Drahtzieher bleiben wahrscheinlich im Dunkeln


"Cui bono", muss man bei politischen Morden und dubiosen Selbstmorden zuallererst fragen. Wem nützt es? Doch ganz so einfach ist die Sache selten, denn die Antwort ist mitunter schwierig. Hat der angebliche Suizid des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman Staatspräsidentin Cristina Kirchner nun genützt oder geschadet? Politisch wohl eher geschadet, weil ihr die Öffentlichkeit sogleich unterstellte, sie habe etwas mit dem Tod Nismans zu tun. Insofern könnten durchaus auch Kirchners Gegner ein Interesse am Tod des Staatsanwalts gehabt haben - und zwar, um ihr die Tat in die Schuhe zu schieben.

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21. Februar 2015, von Michael Schöfer
Gelogen wird auf beiden Seiten


Die Süddeutsche berichtet über eine Handreichung des Auswärtigen Amtes für seine Mitarbeiter, die sich mit "Moskaus Mythen" befasst. Darin wird u.a. behauptet, es habe nie ein Versprechen der Nato gegeben, sich nicht nach Osten auszudehnen. Das ist nachweislich falsch.

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20. Februar 2015, von Michael Schöfer
Deutsche Sprach', schwere Sprach'


Okay, okay, jeder greift beim Sprachgebrauch gelegentlich daneben, insbesondere wenn es sich um Fremdwörter handelt. Ist mir auch schon passiert (wer diesbezüglich ohne Fehler ist, werfe den ersten Duden). Nicht schlimm, aber mitunter peinlich. Manchmal schwanke ich: Passt jenes Fremdwort oder das andere? Vielleicht sollte man am besten, zumindest an solchen Textstellen, ganz auf den Gebrauch von Fremdwörtern verzichten. Rein prophylaktisch, versteht sich. Verzeihung: vorsorglich. Allerdings fällt es zuweilen schwer, Fremdwörter richtig einzudeutschen.

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18. Februar 2015, von Michael Schöfer
Ein Fest für Verschwörungstheoretiker


"Das Internet ging aus dem im Jahr 1969 entstandenen Arpanet hervor, einem Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums", erläutert Wikipedia. Da horchen Verschwörungstheoretiker auf: Ein Projekt des Verteidigungsministeriums? Und das auch noch im Jahr 1969? Kam nicht just zu diesem Zeitpunkt in den USA ein gewisser Richard Nixon an die Macht? Richtig, genau der, der später wegen der Watergate-Affäre, dem Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei, zurücktreten musste. Außerdem hatte Nixon (Spitzname: Tricky Dick) bekanntlich das Weiße Haus verwanzt und ließ alle Gespräch auf Tonband aufnehmen. Nun, da braucht man bloß noch eins (einbrechen) und eins (abhören) zusammenzuzählen - schon hat man die schönste Verschwörungstheorie kreiert. Und die geht ungefähr wie folgt:

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14. Februar 2015, von Michael Schöfer
Das Minsker Abkommen ist der Lackmustest


Dass sich Russland von der näher rückenden Nato bedroht fühlt? Geschenkt! Dass in der Ukraine zum Teil höchst zweifelhafte Elemente am Werk sind? Ebenfalls geschenkt! Natürlich soll und darf man das Wirken des Westens in der Ukraine-Krise hinterfragen, dessen möglicherweise unlautere Motive offen kritisieren. Kritik ist in einer Demokratie gewissermaßen das Salz in der Suppe. Aber ungeachtet dessen verwundert es immer wieder aufs Neue, wie verbissen manche glauben, Russland und Wladimir Putin verteidigen zu müssen. Warum eigentlich?

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08. Februar 2015, von Michael Schöfer
Appeasement-Politik?


Im Zusammenhang mit der Ukraine stehen sich grob gesagt zwei konträre Meinungen gegenüber.

Erstens: Russland fühlt sich subjektiv vom Westen bedroht, handelt aber dennoch eher defensiv. Ob diese Furcht vor dem Westen nun objektiv berechtigt ist oder nicht, ist im Grunde irrelevant. Die Ukraine stellt eines der letzten verbliebenen Einflussgebiete außerhalb der russischen Landesgrenzen dar, und das will der Kreml auf keinen Fall auch noch verlieren. Nato-Soldaten in unmittelbarer Nähe stehen zu sehen, kommt für das russische Militär gewissermaßen einem Alptraum gleich. Außerdem ist die Ukraine für die Russen aus historischen Gründen wichtig und deshalb unverzichtbar.

Zweitens: Präsident Wladimir Putin träumt insgeheim von einem Revival der Sowjetunion und hat zu diesem Zweck, nicht zuletzt auch aus innenpolitischen Gründen, den russischen Nationalismus angestachelt. Außenpolitisch will er möglichst viele der 1991 verloren gegangenen Gebiete zurückerobern - notfalls mit militärischer Gewalt. Möglicherweise denkt er sogar darüber hinaus an eine Expansion nach Westeuropa. Der Autokrat aus der KGB-Schule ist gefährlich und unberechenbar, man darf ihm keinesfalls trauen.

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08. Februar 2015, von Michael Schöfer
Wirklich kein Zwang zum Glauben?


"Es gibt keinen Zwang in der Religion", steht im Koran (2. Sure, Vers 256). Diesen Vers hält man gerne den Salafisten entgegen, was die radikalen Muslime allerdings kaum beeindruckt. Wir interpretieren den Satz als Toleranzgebot: "Es gibt keinen Zwang zum Glauben." Kritiker erwidern jedoch, der Koran meine damit "Es gibt keinen Zwang im Glauben", es gehe hier also lediglich um die Ritualpraxis. Ins Christentum übertragen gewissermaßen um die Differenz zwischen Katholiken und Protestanten. Neigen wir einmal der aus unserer Sicht milderen Interpretation zu, also dass der Islam keinen zur Übernahme des Glaubens zwingen dürfe. Die berechtigte Frage lautet: Halten wir uns eigentlich selbst ans Toleranzgebot? Verzichtet denn das Christentum auf den Zwang zum Glauben? Bedauerlicherweise nicht, wie das nachfolgend Beispiel belegt:

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06. Februar 2015, von Michael Schöfer
Widerlich! Einfach ekelerregend!


Die russische Propaganda, die den expansiven Kurs von Präsident Wladimir Putin rechtfertigen soll, wird von Tag zu Tag schlimmer. Anfangs, als die "höflichen grünen Männchen" der Ukraine die Krim entrissen, bemühte sie sich noch, die Soldaten des Riesenreiches als einigermaßen zivilisiert erscheinen zu lassen. Bei der völkerrechtswidrigen Annexion waren kaum Tote zu beklagen. O-Ton Putin: "Die Soldaten haben sich sehr korrekt verhalten, aber resolut und professionell." Doch nach und nach lassen die russischen Medien die Maske der moralischen Integrität fallen, neuerdings unterstützen sogar eigens angeheuerte Künstler die aggressive Politik des Kremlherrschers. Beim alljährlich im Juni stattfindenden Internationalen Filmfestival Moskau (IFF Moskau) soll nämlich, wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, ein Film über den russischen Scharfschützen Alexander Sergejewitsch Golubew, genannt Sascha, Premiere feiern.

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02. Februar 2015, von Michael Schöfer
Die Arroganz der Krawattenträger ist unerträglich


Ach, wie habe ich sie früher geliebt, diese herablassende Attitüde Älterer: "Junge, wenn du erst mal so alt bist wie ich, dann..." Darin schwang stets mit: "Jetzt zeig' ich dir mal, wo der Barthel den Most holt, du Grünschnabel. Werde erst einmal trocken hinter den Ohren." Sie wollten mir damit wohl sagen: "Du hast keine Ahnung. Ich weiß ohnehin alles besser. Und das wirst du schon noch merken." Selbstverständlich durfte auch das Einfordern von Respekt nicht fehlen. Dabei vertrat ich schon von jeher die Auffassung, Respekt müsse man sich erst verdienen. Jemandem bloß aufgrund seines Alters Respekt erweisen kommt in meinen Augen einem substanzlosen Ritual gleich, schließlich wird selbst der dümmste Esel irgendwann einmal von alleine alt. Und alt werden an sich ist keine Leistung.

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