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01. Januar 2026, von Michael Schöfer
Ignoranz ist teuer und tödlich


Warum wünschen sich die Menschen eigentlich "ein gutes neues Jahr", wenn sie schon am Morgen danach eines Besseren belehrt werden, weil das neue genauso mies anfängt wie das alte aufgehört hat? Diese Silvesternacht hat zumindest eins gezeigt: Die Forderung nach einem Böllerverbot war richtig. Abermals gab es mehrere Tote, abermals verloren Menschen Körperteile, abermals gab es zahlreiche Brände und jede Menge Feinstaub. Von den Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte ganz zu schweigen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach sich noch am Tag vor Silvester im Deutschlandfunk energisch gegen ein generelles Böllerverbot aus. "Man muss sich auch in der heutigen Zeit genau überlegen, was wir den Menschen insgesamt verbieten. Wir haben insgesamt aus meiner Sicht in unserem Staat schon viel zu viel Regularien, wir haben zu viel Bürokratie, wir mischen uns seitens des Staates meines Erachtens in zu viele Dinge ein." [1] Komisch, bislang ist mir Bayern gar nicht als Hort der Liberalität aufgefallen.

In Bayern gilt offenbar Folgendes: Böllern fällt unter Tradition bzw. Freiheit, die man nicht verbieten soll. Das Kiffen hingegen wird nur gezwungenermaßen geduldet, weil sich das Land nicht gegen das Konsumcannabisgesetz wehren kann. Joachim Herrmann würde nämlich Cannabis am liebsten wieder verbieten und fordert die Rücknahme der Legalisierung. [2] Wir mischen uns seitens des Staates in zu viele Dinge ein? Beim Kiffen gilt das laut Herrmann jedenfalls nicht, dabei kommen dadurch wahrscheinlich weniger Menschen zu Schaden als durchs Böllern. Oder durchs Saufen. Was die Feinstaubbelastung angeht war die bayerische Landeshauptstadt München in der Silvesternacht bundesweit die Stadt mit den höchsten Werten [3], allein in Mittelfranken gab es rund 200 Brände, in ganz Bayern waren es etliche Hundert [4]. Die Bilanz ist ernüchternd. Man muss schonungslos feststellen: Die Ignoranz der Politik ist teuer und tödlich. Das bezieht sich allerdings nicht bloß aufs Böllern, was freilich wenig tröstet.

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[1] Deutschlandfunk vom 30.12.2025
[2] BR24.de vom 27.03.2025
[3] BR24.de vom 01.01.2026
[4] BR24 vom 01.01.2026