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02. Januar 2026, von Michael Schöfer
Minus mal Minus gleich Plus?


"Minus mal Minus gleich Plus", das gilt allerdings bloß in der Welt der Mathematik. In der Politik ist das völlig anders, da ergibt "Lügner mal Lügner" noch lange keine Wahrheit, sondern ein diplomatisches Tohuwabohu. Wladimir Putin wickelt Donald Trump regelmäßig um den Finger. Putin will offenbar keinen Frieden, er sieht sich auf lange Sicht auf der Gewinnerstraße. Und der einzige Mensch, der das nicht bemerkt, scheint der US-Präsident zu sein. Nicht zum ersten Mal hat er den Aussagen des russischen Diktators vertraut.

Die Ukraine habe eine Residenz des russischen Präsidenten mit 91 Drohnen angegriffen, behauptete Putin. Donald Trump was not amused: "Das gefällt mir nicht. Das ist nicht gut." [1] Der notorische Lügner (Trump) glaubte also dem anderen notorischen Lügner (Putin). Minus mal Minus gleich Plus? Lügner mal Lügner gleich Wahrheit? Von wegen!

Bislang fehlen stichhaltige Beweise, und die Ukraine bestreitet den Angriff. Auch die CIA sagt, es habe keinen Angriff auf Putins Residenz gegeben, CIA-Chef John Ratcliffe unterrichtete Trump entsprechend. [2] Wobei man trotzdem vorsichtig sein muss, auch die Aussagen der US-Geheimdienste sind erfahrungsgemäß mit großer Vorsicht zu genießen, dafür reicht ein Blick in die Geschichtsbücher. Nur weil einem eine Aussage gefällt, muss sie noch lange nicht wahr sein. Dieses Prinzip gilt generell.

Jedenfalls, um das diplomatische Tohuwabohu perfekt zu machen, teilte Trump anschließend auf Truth Social einen Artikel der New York Post, der zum Ergebnis kam, dass "jeder Angriff auf den russischen Präsidenten 'mehr als gerechtfertigt' sei", Wladimir Putin wird darin als "eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden" bezeichnet. [3] Gefällt ihm der Gedanke, den russischen Präsidenten als legitimes militärisches Ziel zu betrachten, also doch? Darüber dürfte wiederum Putin not amused sein.

Wie auch immer, die wichtigste Frage ist: Schlägt sich Donald Trump jetzt konsequent auf die Seite der Ukraine? Darauf würde ich nicht wetten, das Handeln des US-Präsidenten ist völlig unberechenbar. Genauso wie seine Strategie und seine Hintergedanken - falls er solche überhaupt hat. Das Einzige, was für Außenstehende erkennbar ist, ist Trumps Dilettantismus. Aber das gilt ja in vielerlei Hinsicht.

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[1] tagesschau.de vom 30.12.2025
[2] tagesschau.de vom 01.01.2026
[3] Frankfurter Rundschau vom 01.01.2026