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16. Januar 2026, von Michael Schöfer
Woolworth könnte vielleicht helfen

Ich weiß nicht mehr wann genau, aber vermutlich war es 1972, als in Deutschland die Olympischen Sommerspiele stattfanden. Die "heiteren Spiele" von München, die dann vom tragischen Anschlag auf die israelische Mannschaft überschattet wurden. Westdeutschland kam damals beim Medaillenspiegel mit 13 Goldmedaillen auf den vierten Platz, und ich kann mich noch an den Sieg von Hildegard Falck im 800m-Finale der Frauen und an den entscheidenden Sprung der 16-jährigen Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth erinnern. Natürlich hätte auch ich gerne eine Goldmedaille gehabt, doch dieser Wunsch stand, anders als bei Falck oder Meyfarth, in krassem Missverhältnis zu meinen sportlichen Leistungen. Immerhin fand ich einen Ersatz, in der Ludwigshafener Einkaufsmeile hatte Woolworth eine goldfarbene Halskette mit Anhänger im Angebot, die zumindest in meiner Phantasie einer olympischen Goldmedaille zum Verwechseln ähnlich sah. Die musste ich unbedingt haben. Wenn ich mich richtig erinnere, kostete sie 1 DM (0,51 €). Ich war mächtig stolz auf meine "Goldmedaille".

Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado hat Donald Trump bei einem privaten Treffen im Weißen Haus ihre Friedensnobelpreismedaille überreicht, meldet die BBC. Ich bin sicher, auch Donald Trump ist mächtig stolz auf seinen "Friedensnobelpreis". Endlich hat er, was er schon immer wollte. Dass der Preis dem Nobelkomitee zufolge nicht übertragbar ist, scheint dabei bloß ein kleiner Wermutstropfen zu sein. Who cares? Ich kann die Gefühle von Donald Trump aus meiner eigenen Erfahrung heraus gut nachvollziehen. Nur: Ich war damals 13 Jahre alt, der US-Präsident ist schon 79. Ich war ein Siebtklässler, er sitzt im Weißen Haus und regiert die USA. Womit ich nicht sagen will, dass ich Donald Trump die Reife eines 13-Jährigen zubillige. Gott bewahre! Manche berichten, sie hätten in Gesprächen mit ihm den Eindruck, sie würden sich mit einem 7- oder sogar mit einem 5-Jährigen unterhalten. Die Friedensnobelpreismedaille sei ihm trotzdem gegönnt, er hat sie sich durch seine unvergleichliche infantile Penetranz redlich verdient. Und soll man einen 7-Jährigen, der mit echten Flugzeugträgern und Atomsprengköpfen spielen darf, frustrieren?

Immer wenn man denkt, jetzt sei endlich der Gipfel der Peinlichkeit erreicht, überrascht uns Trump aufs Neue. Was kommt als nächstes? Nun, er will ja Kanada haben. Und Grönland. Vielleicht sollte man mal eruieren, was Woolworth im Angebot hat. Mir hat Woolworth vor 54 Jahren schließlich auch geholfen.