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| Archiv | Impressum 19. Januar 2026, von Michael Schöfer Ein Vorhaben aus der Abteilung "Größenwahn" Sein Wille geschehe, wie in Washington so auf Erden. Wohlgemerkt: Donald Trumps Wille! Anders kann man den Vorschlag des US-Präsidenten, einen Weltfriedensrat unter seiner Leitung einzurichten, nicht interpretieren. Trump plant Medienberichten zufolge als Ersatz für die Vereinten Nationen einen Friedensrat mit weltweiter Zuständigkeit unter seinem Vorsitz. Staaten, die in dem Gremium einen ständigen Sitz beanspruchen, sollen mindestens eine Milliarde US-Dollar in bar zahlen. Aber wer letztlich mitmachen darf, entscheidet natürlich er. Die Mitgliedschaft von Staaten, die keine Milliarde zahlen, soll zunächst für drei Jahre gelten, über die Verlängerung entscheidet jedoch ebenfalls er. Er allein. Im Gremium gilt: "Entscheidungen sollen mit einfacher Mehrheit gefasst werden. Allerdings müsste der Vorsitzende - also Trump - alle Beschlüsse genehmigen", berichtet Zeit-Online. [1] Er will anscheinend nicht nur König der Amerikaner werden, sondern gleich König der ganzen Welt. Vermutlich ein gottgleicher König. Nero lässt grüßen. Oder Caligula. Wie man sich eben die Absichten eines größenwahnsinnigen Autokraten für gewöhnlich vorstellt: Es geht um die Weltherrschaft. Seine Weltherrschaft. Ganz großes Kino! Dass die Vereinten Nationen wegen den ständigen Blockaden der Vetomächte im Sicherheitsrat dysfunktional sind - geschenkt. Aber die UN-Charta ist trotzdem das Rückgrat des Völkerrechts. Das Ideal, dem sich (theoretisch) alle unterzuordnen haben: UN-Resolutionen sind gültiges Völkerrecht, die souveränen Staaten sind gleichberechtigt, unter ihnen herrscht Gewaltverbot, ihre territoriale Unverletzlichkeit wird garantiert. Die betrübliche Wahrheit: Dennoch ist die Welt voller Konflikte und Kriege. Weil sich die Großmächte nicht einigen können. Aber was soll sich daran bei Trumps Weltfriedensrat ändern? So hat beispielsweise auch Wladimir Putin eine Einladung erhalten, und wenn Putin seine Interessen im UN-Sicherheitsrat durchzuboxen versucht, macht er das bestimmt auch in Trumps Gremium. Was wäre dadurch gewonnen? Oh, klar, der Chef bestimmt. Formal. Aber ob sich anschließend alle daran halten, ist völlig ungewiss und ehrlich gesagt auch sehr unwahrscheinlich. Glaubt er wirklich, dass alle nach seiner Pfeife tanzen? Will er womöglich seine stark aufrüstenden Streitkräfte (geplanter Verteidigungsetat von 1,5 Billionen Dollar im Jahr 2027) zur Durchsetzung seines Willens einsetzen? Noch mehr Kriege? Oder droht bloß die Exkommunikation wegen fortgesetzter Blasphemie und Majestätsbeleidigung? Papst Leo XIV., ein Amerikaner, könnte ihm da bestimmt gute Ratschläge erteilen. Außerdem: Was Trump will, unterliegt bekanntlich starken Schwankungen. Er könnte das weltweite Chaos deshalb sogar noch verstärken. Was soll die juristische Grundlage des Weltfriedensrats sein? Beim Völkerrecht haben wir die UN-Resolutionen, völkerrechtliche Verträge, die UN-Charta, das Völkergewohnheitsrecht und die Genfer Konventionen. Das sind die grundlegenden Gesetze, die die Staaten befolgen müssen. Besser gesagt: befolgen müssten. In Deutschland sind die allgemeinen Regeln des Völkerrechts verbindliches Recht und stehen über den nationalen Gesetzen (Artikel 25 GG). Worauf beruft sich der Weltfriedensrat konkret? Wer beschließt das? Nach welchen Kriterien? Und wer muss sich daran halten? Nur die Mitglieder? Alle anderen genauso? Absolut unklar! Oder sind die Profite für Donald Trump und die seiner Kumpels die Richtschnur? Wie will er die wie auch immer geartete Rechtsgrundlage durchsetzen? Kann er, wie die Vereinten Nationen, notfalls Zwangsmaßnahmen bis hin zur militärischen Gewaltanwendung anordnen? Gegen wen? Nur gegen Schwächere oder auch gegen Nuklearmächte? Ebenfalls absolut unklar! Aber da der Chef (= Trump) der Einzige ist, der ein Vetorecht besitzt, plant er wohl, seinen Willen irgendwie zum weltweiten Gesetz zu erklären. Trumps Weltherrschaft - welch eine Dystopie. Auf mich wirkt der Weltfriedensrat daher wie ein Vorhaben aus der Abteilung "Größenwahn". Aber keiner traut sich, Donald Trumps egomanischer Schnapsidee zu widersprechen. ----------
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Zeit-Online vom 18.01.2026
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