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| Archiv | Impressum 20. Januar 2026, von Michael Schöfer Ihr werdet es bei den Wahlen spüren Im vierten Quartal 2025 sind die Mietpreise in den Ballungsräumen bei Neuvermietungen um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. "Seit 2015 sind Angebotsmieten damit um 14 Prozent stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung", stellt das Kiel Institut für Weltwirtschaft fest. [1] Wohnen wird zum Luxusgut, der Anteil der Wohnungsmieten am verfügbaren Einkommen steigt immer höher, was viele Menschen zunehmend in Bedrängnis bringt, denn nach Abzug der Miete bleibt oft nicht mehr allzu viel zum Leben übrig. Und was machen unsere Volksvertreter? Sie schauen dem Ganzen apathisch zu, anstatt den bedrängten Mietern zu helfen. Und das nun schon seit mindestens 20 Jahren. Die Lage verschlimmert sich sogar: 2024 wurden lediglich 251.900 Wohnungen fertiggestellt, das sind 14,4 Prozent weniger als 2023 und der zweitniedrigste Wert der vergangenen Dekade (Daten aus 2025 liegen erst Mitte 2026 vor). [2] Anstatt irgendwann einmal besser, wird es also immer schlechter. Wofür werden die Politiker eigentlich bezahlt? Warum wählen wir sie? Entweder sind sie untätig oder unfähig, eine andere Erklärung gibt es nicht. Unglaublich,
aber wahr: In der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt
und Helmut Schmidt wurden in 13 Jahren (1970-1982) allein in
Westdeutschland mehr Wohnungen fertiggestellt als in den
zurückliegenden 24 Jahren in ganz Deutschland (6,08 Mio. zu
6,03 Mio.).
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Der Wohnungsmarkt versagt, weil Vermieter naturgemäß kein Interesse daran haben, dass sich die Lage entspannt. Käme es zu einem weniger starken Anstieg der Angebotsmieten oder wegen eines Überangebotes an Wohnungen sogar zu Mietpreissenkungen, würden sie sich ja ins eigene Fleisch schneiden. Der Anteil der möblierten Wohnungen und der zeitlich befristeten Mietverträge ist neuerdings auf ein Rekordniveau gestiegen. Die Logik von Angebot und Nachfrage lautet: Rauspressen was der Markt hergibt. Und die Gier kennt offenbar keine Skrupel. Vermieter wissen, dass die Menschen irgendwo wohnen müssen und auf einem von Knappheit geprägten Markt kaum andere Alternativen haben. Gut, unter der Brücke schlafen geht natürlich immer, die Zahl der Wohnungslosen ist 2024 ebenfalls auf ein neues Rekordniveau gestiegen (1,03 Mio. = +11 % gegenüber 2023). Ständig reden unsere Politiker davon, die Bautätigkeit anzuregen, mit solchen Vorschlägen kann man mittlerweile Bibliotheken füllen. Bloß passiert halt nichts. Oder viel zu wenig. Die Betroffenen sind inzwischen stinksauer, die Wut im Bauch ist riesengroß. 8 Millionen Menschen ziehen jedes Jahr innerhalb des Bundesgebietes um, das sind rund 10 Prozent der Bevölkerung, entsprechend groß ist die Zahl der Betroffenen. Und das, liebe Politiker, werdet ihr bei den Wahlen in diesem Jahr bestimmt zu spüren bekommen. Wundert euch nicht, ihr habt die Wut durch eure zum Himmel schreiende Untätigkeit selbst entfacht. ----------
[1]
Kiel Institut, GREIX Mietpreisindex,
PDF-Datei mit 805 KB
[2] Statistisches Bundesamt,
Pressemitteilung Nr. 183 vom 23.05.2025
[3] Statistisches Bundesamt, Baufertigstellungen im Hochbau: Deutschland, Jahre, Bautätigkeiten, Gebäudeart, Tabelle 31121-0001 und Statistisches Bundesamt, Baugenehmigungen / Baufertigstellungen Lange Reihen z.T. ab 1949, Excel-Datei mit 219 KB |
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