
| Home
| Archiv | Impressum 25. Januar 2026, von Michael Schöfer Explodierende Staatsschulden Donald Trump ist bei der Annexion Grönlands zurückgerudert, weil ihm, so jedenfalls die gängige These, die Märkte signalisiert haben, dass ein militärischer Konflikt zwischen NATO-Staaten einiges ins Rutschen bringen würde. Ob das wirklich stimmt, wissen bloß die Insider, vielleicht auch nur der US-Präsident selbst. Mit 38,6 Billionen US-Dollar (= 124,3 % des BIP) ist die Schuldenlast in der Tat gewaltig. Und sie wächst immer weiter. Kein einziger Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Staatsverschuldung verringert, sondern - mal mehr, mal weniger - stetig erhöht. Erstaunlicherweise hat sein von ihm in Davos öffentlich verhöhnter Amtsvorgänger ("sleepy Joe Biden") in vier Jahren Regierungszeit prozentual weniger Schulden gemacht als Donald Trump in den vier Jahren seiner ersten Amtszeit. Da sieht der angeblich größte Dealmaker der Welt mit 43,8 Prozent Zuwachs gegenüber den 26,9 Prozent von Joe Biden ziemlich alt aus. Den größten prozentualen Schuldenzuwachs hat der republikanische Säulenheilige Ronald Reagan zu verantworten. Folge seiner kruden Wirtschaftspolitik (Reaganomics). Donald Trump ist jetzt genau ein Jahr wieder im Amt und hat in drei Quartalen seiner Amtszeit bereits 2,2 Billionen neue Schulden gemacht. Regiert er so weiter, wird er einen zweistelligen Billionenbetrag an zusätzlichen Schulden hinterlassen und damit auch in seiner zweiten Amtszeit hinter "sleepy Joe" zurückbleiben. Natürlich sind solche Prognosen höchst unsicher, weil man gerade beim notorisch unzuverlässigen Donald Trump nie weiß, welcher Teufel ihn in den drei verbleibenden Jahren noch reiten wird. In den USA hat sich der Zeitraum, in dem das Fiskaljahr liegt, öfter geändert. Zwischen 1789 und 1842 begann das Geschäftsjahr im Januar, von Januar 1842 bis 1977 begann es im Juli. Seit Juli 1977 beginnt es im Oktober. Vergleiche werden dadurch naturgemäß erschwert, weshalb ich in der Tabelle bei jedem Präsidenten das zweite Quartal nach Amtsantritt als den Beginn des Schuldenstands festgelegt habe, für den Schlussschuldenstand nehme ich demzufolge das zweite Quartal nach dem jeweiligen Ausscheiden (eine kleine zeitliche Abweichung wegen des Watergate-Skandals gibt es lediglich bei Nixon und Ford). Mein Hintergedanke: Die Politik eines Präsidenten wirkt sich in der Regel erst einige Zeit nach der Amtseinführung aus, genauso wirkt sie nach seinem Ausscheiden noch ein bisschen in die Regierungszeit seines Nachfolgers hinein. Wobei hier Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit eine Ausnahme darstellt, durch seine Ankündigungen und Dekrete hat er etwa den Außenhandel der Vereinigten Staaten frühzeitig beeinflusst. Wie man anhand der Tabelle leicht erkennen kann, wirtschaften die Präsidenten der Demokratischen Partei offenbar etwas solider als die Präsidenten der Republikaner. Allerdings kommt es natürlich auch darauf an, welche Mehrheiten jeweils im Kongress vorhanden waren und wofür das Geld ausgegeben wurde. So sind die Rüstungsausgaben in den zurückliegenden Jahrzehnten gewaltig gestiegen, für die Wirtschaft wären jedoch wahrscheinlich Investitionen in die Modernisierung der Industrie besser gewesen. In den USA sind viele Industriearbeitsplätze weggefallen und das hat insbesondere im "Rust Belt" bei den Menschen Perspektivlosigkeit verursacht. Mit ein Grund für die Wahl Donald Trumps. Lassen
wir uns überraschen, wohin die USA unter Donald Trump treiben.
Anfang 2029 wissen wir mehr.
![]() ----------
[1] Federal Reserve Bank of St. Louis,
Federal Debt: Total Public Debt (01.04.1969 - 01.07.2025)
und Fiscal Data, Debt to the Penny
(01.10.2025 - 01.01.2026)
|