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29. Januar 2026, von Michael Schöfer
MAGA-Anhänger, bitte aufwachen!


Der 2. Verfassungszusatz, der den Amerikanern das Recht gibt, Waffen zu besitzen und zu tragen, ist meiner Meinung nach in einer modernen Gesellschaft einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Horrorzahlen über die Tötungen durch Schusswaffengebrauch (2024: ohne Suizide 16.725) belegen das jedes Jahr aufs Neue. Aber was den Besitz von Schusswaffen angeht sind die Amerikaner mindestens so neurotisch eingestellt wie wir Deutschen beim Tempolimit auf Autobahnen. Vielleicht sogar noch stärker. Doch laut einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs gehört der Waffenbesitz in den USA zu den Grundrechten. Gesetze, die das Recht von "gesetzestreuen Bürgern" einschränken, Waffen zu besitzen und zu tragen, verstoßen daher gegen die Verfassung.

Donald Trump hat im Wahlkampf hoch und heilig versprochen, den 2. Verfassungszusatz zu verteidigen. 2024 sagte er auf der Jahrestagung der National Rifle Association (NRA), er sei der beste Freund, den Waffenbesitzer je im Weißen Haus hatten. Der in Minneapolis von ICE-Agenten ermordete Alex Pretti war ein gesetzestreuer Bürger, und er besaß eine Lizenz zum Tragen einer Waffe. Eigentlich müssten jetzt selbst eingefleischte MAGA-Anhänger merken, welch unzuverlässigen Hallodri sie ins Weiße Haus gewählt haben, denn Trump macht sich die Welt analog zu Pippi Langstrumpf "widdewidde wie sie ihm gefällt": "Man darf keine Waffen haben, man darf nicht mit Waffen herumlaufen, das geht nicht", behauptet er nun. [1] Dass seine Anhänger beim Putschversuch vom 6. Januar 2021 Waffen trugen und er das ausdrücklich unterstützte ("Es ist mir sch***egal, ob sie Waffen haben..."), sei hier bloß am Rande erwähnt. Er legt sich alles jeweils so zurecht, wie er es gerade braucht.

Man kann sich bei Donald Trump an gar nichts festhalten, und das gilt gleichermaßen für Gegner wie für Anhänger. Die Geschichte hat schon viele skurrile US-Präsidenten erlebt, doch Trump ist von allen bestimmt der skurrilste. Sogar der paranoide Richard Nixon (Spitzname "Tricky Dick") war im Vergleich zum aktuellen Amtsinhaber zu einer zielgerichteten und plausiblen Politik imstande (Beendigung des Vietnamkriegs, Öffnung gegenüber China). Bei Trump passt vorne und hinten überhaupt nichts zusammen, seine Politik ist lediglich ein konfuses, inkonsistentes Stückwerk. Davon ausgenommen ist allein sein Streben nach unbeschränkter Macht und grenzenlosem Reichtum. Er will herrschen - über die Vereinigten Staaten und die ganze Welt. Und wie der mythische König Midas ist er besessen von Gold. Hoffentlich wird seinen Anhängern endlich klar, wie sehr er damit sein Land und den ganzen Planeten ins Chaos zu stürzen droht. Wer das nicht sieht, ist echt mit Blindheit geschlagen.

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[1] Deutsche Welle vom 28.01.2026