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06. Februar 2026, von Michael Schöfer
Merz hat sich seine schlechten Umfragewerte redlich verdient


Die Ergebnisse des ARD-DeutschlandTREND vom Februar 2026 sind wahrlich ein Desaster für die Regierungsparteien im Allgemeinen und für Friedrich Merz im Besonderen. 78 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden mit der Bundesregierung. Und der Bundeskanzler hat es geschafft, dass 74 Prozent der Befragten auch mit ihm persönlich unzufrieden sind. Schlimm sieht es vor allem hinsichtlich der Wirtschaftskompetenz und der sozialen Gerechtigkeit aus. Peu à peu arbeiten sich seine Regierung und er selbst an das unterirdische Umfrageniveau der Ampelregierung unter Olaf Scholz heran. Mit dem SPD-Kanzler waren beim DeutschlandTREND im Dezember 2024 ebenfalls 74 Prozent unzufrieden.

Die Umfragewerte in puncto Wirtschaftskompetenz und sozialer Gerechtigkeit sind zuletzt bei beiden Regierungsparteien gesunken, mittlerweile sind in diesen Sachfragen die zweitmeisten Befragten der Auffassung, dass überhaupt keine Partei die Wirtschaft voranbringen und für soziale Gerechtigkeit sorgen kann. Das verwundert kaum, denn die Regierungsparteien werden nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems gesehen. Dass CDU und CSU hinsichtlich der Wirtschaftskompetenz so dramatisch abgebaut haben, müsste ihnen eigentlich zu denken geben. Dabei ist der aktuelle Kanzler am 23. Februar 2025 ja eigens wegen seiner vermeintlichen Wirtschaftskompetenz gewählt worden. Aber Merz, Linnemann und Connemann scheint das kaum zu irritieren. Noch ein paar Interviews à la Connemann (Lifestyle-Teilzeit) und die CDU kann die Landtagswahlen in diesem Jahr vergessen.

62 Prozent der Befragten sagen, dass es in Deutschland eher ungerecht zugeht. Der Kanzler will dennoch die Unternehmen entlasten und die Arbeitnehmer belasten. Mag sein, dass sein Verhalten die Meinung der CDU-Blase widerspiegelt, die Mehrheit der Bevölkerung denkt freilich anders. Letztere sieht die Ursache vor allem in den großen sozialen Unterschieden, in der sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich. Die Wünsche der Union gehen offenbar an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. Nur 30 Prozent sind dafür, die Gewährung des Rechts auf Teilzeit auf Beschäftigte zu beschränken, die Kinder erziehen und Angehörige pflegen oder sich weiterbilden, 66 Prozent sind dagegen. Lediglich 27 sind für die Abschaffung der sogenannten ''Rente ab 63", mehr als zwei Drittel (65 %) wollen sie beibehalten.

Wenn eine Partei kontinuierlich gegen den Wählerwillen handelt, braucht sie sich über sinkenden Zuspruch nicht zu wundern. Sind die blind? Sind die doof? Oder sogar beides? Der Kanzler will, dass wir mehr arbeiten, das helfe der Wirtschaft, behauptet er. Faktisch heißt das, er fordert die Arbeitnehmer auf, sich dafür einzusetzen, dass die Reichen noch reicher werden. Für die Arbeitnehmer fällt nämlich seit Jahren vergleichsweise wenig ab, die Reallöhne waren 2024 so hoch wie im Jahr 2017. Das Vermögen der Reichen hingegen ist beständig gewachsen (das der deutschen Milliardäre hat laut Oxfam allein im vergangenen Jahr inflationsbereinigt um rund 30 Prozent zugelegt).

Der Kanzler kann zwar weiterhin die Wünsche seiner CDU-Blase bedienen, aber damit wird er wahrscheinlich Schiffbruch erleiden. Hat er seit seiner Wahl eines der drängenden Probleme wirklich angepackt, beispielsweise die stark steigenden Mieten und die Wohnungsnot? Nein! Friedrich Merz hat den Kontakt zur Realität längst verloren, außer Phrasen und Ressentiments gegen Minderheiten hat er anscheinend nichts zu bieten. Die Angebotsmieten zogen 2025 in den Ballungsgebieten abermals überproportional an - mehr als die Inflation, mehr als das verfügbare Einkommen der Privathaushalte. Und was hat der Kanzler konkret dagegen getan? Er schlägt eine Begrenzung der Wohnkosten für Bürgergeldempfänger vor. Wow! Als ob das unser Problem mit dem fehlenden bezahlbaren Wohnraum lösen würde. Nicht einmal im Ansatz! Was das angeht ist der Millionär, sorry, der gehobene Mittelschichtbürger mit Privatflugzeug, völlig phantasielos. Friedrich Merz und die Union haben sich die schlechten Umfragewerte redlich verdient. Durch ihr eigenes Versagen.