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| Archiv | Impressum 06. Februar 2026, von Michael Schöfer Die Fakten widerlegen das Zerrbild einer kollabierenden Wirtschaft Befand sich die hiesige Wirtschaft zuletzt nicht im freien Fall? Und erstickte sie nicht an den immer stärker steigenden Sozialabgaben? Wenn man den Hiobsbotschaften der Interessenverbände Glauben geschenkt hat, musste man diese Fragen mit "Ja" beantworten. Und damit ging dann natürlich auch häufig die Zustimmung zu weiterem Sozialabbau einher. Allerdings man sollte auf die Fakten achten, weniger auf die apokalyptisch anmutende Propaganda der Lobbyisten. Das Statistische Bundesamt hat heute die Zahlen zum deutschen Außenhandel 2025 veröffentlicht, und danach haben die (nicht kalender- und saisonbereinigten) Exporte der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr gegenüber 2024 um 0,9 Prozent zugelegt. Ja, Sie lesen richtig, die Exporte sind gestiegen. Deutschland erzielte einen Exportüberschuss in Höhe von 200,4 Mrd. Euro, d.h. wir exportierten abermals deutlich mehr als wir importierten. [1] Eigentlich wie gewohnt, denn das letzte Defizit im Außenhandel gab es im Jahr 1951. [2] Seitdem erzielt die deutsche Wirtschaft beim Handel mit dem Ausland hohe Profite. Wie deren Verteilung im Inland aussieht, steht jedoch auf einem anderen Blatt, bekanntlich beklagen viele Bürgerinnen und Bürger die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Dass es Probleme in bestimmten Branchen und mit bestimmten Handelspartnern gibt, ist nicht von der Hand zu weisen, aber die Fakten passen nicht zum Zerrbild einer kollabierenden Wirtschaft, wie sie die Interessenverbände an die Wand malen. Die Unternehmen ächzen unter zu hohen Sozialabgaben? Diese Mär hat schon Gerhard Schröder (SPD) verbreitet, um seine "Agenda 2010" und die damit verbundene Umverteilung von unten nach oben zu rechtfertigen. Sein Nachnachfolger Friedrich Merz (CDU) bläst ins gleiche Horn. Doch achten wir hier ebenfalls allein auf die Fakten, ergibt sich schon wieder ein anderes Bild. Im Auftrag der Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek hat das Statistische Bundesamt nachgerechnet. Ergebnis: "Von 1999 bis 2024 sind die Anteile der Sozialbeiträge der Arbeitgeber an der Gesamtsumme der Entgelte um 1,5 Prozentpunkte gesunken – von 19,2 Prozent auf zuletzt 17,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum stiegen die entsprechenden Beitragsanteile für Arbeitnehmer hingegen um 1,5 Prozentpunkte – von 12,3 Prozent im Jahr 1999 auf zuletzt 13,8 Prozent." [3] Damit fällt die Strategie der Union zur Durchsetzung von weiterem Sozialabbau in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Und die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der mangelnden Gerechtigkeit wird dadurch noch plausibler. Jedenfalls für die, die bislang daran gezweifelt haben. Mir drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass die Regierenden und die Lobbyisten die Bevölkerung belügen und betrügen, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen. Das wollen sie uns weismachen: Die Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine höhere Erbschaftsteuer sind des Teufels, weniger Sozialausgaben zum Erhalt der deutschen Wirtschaft alternativlos und unvermeidbar. Doch die Fakten widerlegen dieses Zerrbild. ----------
[1]
Statistisches Bundesamt,
Pressemitteilung Nr. 042 vom 06.02.2026
[2] Statistisches Bundesamt, Gesamtentwicklung des deutschen Außenhandels ab 1950 [3] Spiegel-Online vom 06.02.2026
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