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| Archiv | Impressum 27. Februar 2026, von Michael Schöfer It's the economy, stupid! Krachende Niederlage für die Labour Party und den britischen Ministerpräsidenten Keir Starmer: Der Wahlkreis Gorton and Denton, traditionell eine Labour-Hochburg, ging bei der gestrigen Nachwahl an Hannah Spencer von den Grünen (14.980 Stimmen). Die Labour-Kandidatin Angeliki Stogia (9.364) landete hinter Matt Goodwin von Reform UK (10.578) sogar nur auf Platz drei. Das ist natürlich ein Desaster für die Regierungspartei. Hauptthema des Wahlkampfes waren die hohen Lebenshaltungskosten und die Tatsache, dass man sich mit harter Arbeit früher ein Haus und Urlaub leisten konnte, diese Zeiten jedoch vorbei seien. Es ist überall das Gleiche: Die Vertreter des sogenannten "kleinen Mannes auf der Straße" glänzen bei ihren Wählerinnen und Wähler mit gebrochenen Wahlversprechen, während die "fetten Katzen" (die Milliardäre) fetter und fetter werden. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst in jedem Land gewaltig, und wohin man auch blickt können sich Durchschnittsverdiener kaum noch ein Haus oder eine Wohnung leisten. Weder als Käufer noch als Mieter. Bloß um einmal die soziale Kluft deutlich zu machen: Der laut Forbes reichste Brite ist momentan der Hedgefondsmanager Michael Platt mit einem geschätzten Vermögen von 18,8 Mrd. US-Dollar. [1] Käme bei Platt nichts mehr hinzu und würde er von seinem aktuellen Vermögen jeden Tag (!) eine vergleichsweise bescheidene Wohnung im Wert von 500.000 US-Dollar kaufen, wäre sein Geld erst in 103 Jahren aufgebraucht. [2] Dabei steht Platt weltweit erst an 146. Stelle der Milliardäre. Dass Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit gehen, angesichts dessen in zunehmendem Maße wütend werden, überrascht nur die Ignoranten. Oder wie es Bill Clinton einst treffend formulierte: "It's the economy, stupid!" (Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf!) Das treibt viele Wählerinnen und Wähler an den rechten Rand des politischen Spektrums und gefährdet dadurch die Demokratie. Aber die ehemaligen Volksparteien (Sozialisten, Konservative, Liberale) sind blind gegenüber den wachsenden sozialen Unterschieden. Und das schon seit mindestens 40 Jahren. Man fragt sich unwillkürlich, warum sie nicht aufwachen. Die Zentrifugalkräfte, die die Gesellschaften überall auseinandertreiben, führen unweigerlich zu einer sozialen Explosion. Zumindest, wenn man nichts dagegen tut. Wer weiß, wie lange das noch gutgeht? Ich fürchte, nicht mehr allzu lange. ----------
[1]
Forbes,
The World’s Real-Time Billionaires
[2] 18.800.000.000 $ : 500.000 $ = 37.600
Wohnungen : 365 Tage = 103 Jahre; Makler- und Notarkosten
sowie die Grunderwerbssteuer lassen wir einmal außer Acht.
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