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06. März 2026, von Michael Schöfer
Diese Ignoranz ist an Dämlichkeit kaum überbieten

Die von der CDU durchgesetzte "Technologieoffenheit" im Heizungskeller kostet, die von der CDU angestrebte "Technologieoffenheit" bei den Fahrzeugmotoren (Abkehr vom Verbrenner-Aus) kostet ebenfalls. Und die von der CSU gewünschte Renaissance der Kernenergie würde noch viel, viel mehr kosten.

Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stiegen die Energiepreise rasant, jetzt passiert nach dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran wegen der damit einhergehenden Sperrung der Straße von Hormus das Gleiche. Schonungslos wird unsere Abhängigkeit von äußeren Entwicklungen offengelegt, auf die wir von Deutschland aus kaum Einfluss haben. Die Energiepreise schnellen nach oben, die Sorgen in puncto Versorgungssicherheit wachsen.

Dabei gäbe es ein einfaches Mittel, alldem nahezu vollständig zu entgehen: Wir müssten bloß den Ausbau der Erneuerbaren Energien (Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft etc.) weiter vorantreiben. Noch mehr als bisher. Notwendig wäre überdies der forcierte Ausbau der Netze, genauso wie der Ausbau von Speichermöglichkeiten. Die Sonne scheint bei uns auch, wenn die Straße von Hormus zu ist, der Wind weht bei uns auch, wenn es bei den fossilen Energien zu Lieferengpässen kommt. Und das sogar zu vergleichsweise günstigen Kosten.

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts über die Stromgestehungskosten (finanzieller Aufwand für die Errichtung und den Betrieb einer Anlage im Verhältnis zur Stromerzeugungsmenge über die gesamte Lebensdauer) bringt es an den Tag: Die fossilen Energieträger sind teuer, die Erneuerbaren günstig. Das gilt in Krisenzeiten umso mehr.


Stromgestehungskosten für Erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke an Standorten
in Deutschland im Jahr 2024. Spezifische Stromgestehungskosten sind mit einem minimalen
und einem maximalen Wert je Technologie berücksichtigt. [1]


Noch besser: Die Kosten bei den Erneuerbaren sinken tendenziell, während die Kosten für die Förderung von Öl und Gas wahrscheinlich steigen. Effizienzsteigerungen der Solar- und Windkraftanlagen sowie günstigere Herstellungskosten durch die Massenproduktion machen es möglich.

Allerdings gibt es eine gegenläufige politische Entwicklung. Bedanken Sie sich bei Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), wenn unsere Abhängigkeit vom Ausland wächst. Und damit auch der Kummer über die schwer vorhersehbaren, stark schwankenden Preise. Reiche ist nämlich gerade dabei, die Solar- und Windenergie auszubremsen, was den Anreiz für den Bau neuer Anlagen voraussichtlich verringert. [2] Ihre Alternativen dazu sind Öl und Gas - also genau die Energieträger, die sich jetzt durch den Krieg im Nahen Osten erheblich verteuern. Pendler merken das bereits beim Tanken an der Zapfsäule. Besitzer eines Elektroautos könnte die Entwicklung auf den Energiemärkten bei einem optimalen Ausbau der Erneuerbaren weitgehend kalt lassen, weil der Strompreis an der Ladesäule dann nicht mehr von den teuren Öl- und Gasimporten abhängt. Die Kosten für Wind- und Solarstrom könnten losgelöst von externen Krisen auf dem gleichen Niveau bleiben.

Doch Katherina Reiche und die Union haben anscheinend das Ziel, uns weiter in Abhängigkeit von den Fossilen zu halten und demzufolge auch künftig den Preiskapriolen der Energiemärkte auszuliefern. Sie nennen das Ganze bloß nicht "Abhängigkeit", sondern euphemistisch "Technologieoffenheit". Alten Technologien wird lediglich ein neuer Anstrich verpasst, damit sie nicht so schlimm aussehen. Und die Bürgerinnen und Bürger müssen es ausbaden, denn die zahlen schließlich die höheren Energiekosten aus dem eigenen Portemonnaie. Diese Borniertheit ist so dämlich, dass man kaum noch Worte dafür findet.

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[1] Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Studie: Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Seite 2, PDF-Datei mit 9 MB
[2] tagesschau.de vom 09.02.2026 und tagesschau.de vom 26.02.2026