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| Archiv | Impressum 15. März 2026, von Michael Schöfer Damit konnte nun wirklich keiner rechnen Damit, dass die Iraner die Straße von Hormus sperren, konnte nun wirklich keiner rechnen. Schon gar nicht der größte Oberbefehlshaber aller Zeiten. Deshalb haben sich die USA anscheinend auch nicht darauf vorbereitet. Das "stabile Genie" weiß bekanntlich alles besser. Wladimir Putin würde sagen: "Alles läuft nach Plan." Er weiß schließlich ganz genau, wie man ein Land nach nur drei Tagen Blitzkrieg besiegt. Bei der Vorbereitung am allerwichtigsten: Die Paradeuniform für die Siegesparade einpacken. Angeblich gehen den USA schon die Präzisionswaffen und Flugabwehrraketen aus, Nachschub lässt sich allerdings nicht so rasch organisieren, die Produktionskapazitäten sind nämlich begrenzt. Peinlich für Donald Trump: Seit dem Amtsantritt hat er die NATO-Verbündeten wiederholt vor den Kopf gestoßen und ihnen vermittelt, dass er sie überhaupt nicht brauche. Doch jetzt bettelt er um Kriegsschiffe der Verbündeten, weil er den Frachtschiffen in der Straße von Hormus Geleitschutz geben will. Die glorreiche US-Navy ist damit offenbar überfordert. Die entscheidende Frage ist natürlich: Warum sollten sich die Verbündeten in einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran hineinziehen lassen, den Israel und die USA begonnen haben? Und auf welcher juristischen Grundlage könnte das geschehen, denn der UN-Sicherheitsrat wird dafür kaum ein Mandat erteilen? Bloß zur Erinnerung: Das Völkerrecht ist in Deutschland bindendes Recht (Art. 25 GG). Das Chaos an der Spitze der US-Regierung, die mehr durch martialische Sprache glänzt, weniger mit durchdachten Aktionen, könnte sich noch als fatal erweisen. Die Literatur ist ja häufig der Realität zeitlich etwas voraus. Was mir derzeit immer öfter durch den Kopf geht, ist das Buch von Tom Clancy "Befehl von oben" (Originaltitel Executive Orders). Darin fordern drei Mächte (Iran, Indien und China) nach geheimer Absprache die USA an drei Fronten gleichzeitig militärisch heraus, um die Supermacht in einen Mehrfrontenkrieg zu verwickeln und dadurch zu überfordern. Wenn sich Russland, China und der Iran ebenfalls heimlich abgesprochen haben, im Konfliktfall gemeinsam zu handeln, fehlt jetzt bloß noch eine Invasion Taiwans, um einem Plot à la Clancy zu folgen. Falls Xi Jinping wirklich vorhat, die Insel militärisch zu erobern, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Drohen den USA tatsächlich schon die Präzisionswaffen und Flugabwehrraketen auszugehen, könnte die Lage für Xi günstig sein. Doch keine Angst, zum Glück muss ja nicht alles eintreten, was sich Schriftsteller am heimischen Schreibtisch ausdenken. |