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| Archiv | Impressum 03. April 2026, von Michael Schöfer Da ist ja oft sogar ein Konklave schneller Von der Politik wird ja oft beklagt, dass Entscheidungsprozesse viel zu langsam ablaufen. "Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen", versprach etwa die baden-württembergische CDU in ihrem Wahlprogramm zur Landtagswahl am 8. März. Für unvoreingenommene Beobachter mutet es seltsam an, dass die, die als Gesetzgeber für die zeitraubenden Entscheidungsprozesse verantwortlich sind, nun deren Beschleunigung versprechen. Aber zugegeben, Politik und Logik sind häufig zwei Paar Stiefel. Wie dem auch sei, jedenfalls fragen sich die Wählerinnen und Wähler inzwischen, wann Grüne und CDU im Ländle endlich einmal zu Potte kommen. Angeblich sollen die "Sondierungsgespräche" jetzt kurz vor dem Abschluss stehen, meldet der SWR. Man komme Schritt für Schritt voran, sagt der unterlegene Spitzenkandidat Manuel Hagel (CDU). [1] Wie bitte? Die Landtagswahl ist fast vier Wochen her und die Parteien sondieren noch? Sondierungsgespräche sollen ausloten, ob man überhaupt gemeinsam eine Regierung bilden könnte. Koalitionsverhandlungen, in denen konkrete Vorhaben festgezurrt werden, folgen erst danach. Ein Beleg für "Lifestyle-Teilzeit" der Volksvertreter? Zur Erinnerung: Grüne und CDU regieren das Land seit 2016 gemeinsam, beide verfügen im künftigen Landtag über eine satte Mehrheit von 71 Prozent der Mandate (112 von 157 Sitzen), die einzige rechnerische Alternative wäre eine Koalition von Grünen oder CDU mit der AfD. Wie gesagt, rein rechnerisch, denn beide haben eine solche Möglichkeit bereits vor der Landtagswahl ausgeschlossen, woran Manuel Hagel festhält: "Für die CDU in Baden-Württemberg ist klar: Eine Zusammenarbeit oder Koalition mit der AfD schließen wir aus. Diese Haltung habe ich am Wahlabend erneut bekräftigt. Für mich gilt: Kein Amt der Welt ist so wichtig, dass ich mich mit Stimmen der AfD hineinlassen wählen würde." [2] Was sollen also diese furchtbar zähen "Sondierungsgespräche"? Oft kommt ja sogar ein Konklave zur Papstwahl rascher zu einem Ergebnis. Entscheidungsprozesse laufen in der Tat viel zu langsam ab, doch daran sind die Politiker - wie gehabt - selbst schuld. ----------
[1]
SWR vom 02.04.2026
[2] abgeordnetenwatch.de vom 12.03.2026
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