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13. April 2026, von Michael Schöfer
Wie langweilig!

Einerseits leben wir in hochinteressanten Zeiten, in denen jeden Tag irgendeine neue Verrücktheit passiert. Andererseits sind sie auch wieder furchtbar eintönig, weil sich momentan alle bloß an US-Präsident Donald Trump abarbeiten. Wenn inzwischen selbst so dubiose MAGA-Figuren wie Majorie Taylor Greene den 25. Zusatzartikel der US-Verfassung ins Spiel bringen, der die Absetzung des Präsidenten wegen Amtsunfähigkeit ermöglicht, was bleibt einem dazu noch zu schreiben? Schreiben die anderen ja genauso.

Dass Donald Trump Anzeichen einer massiven Persönlichkeitsstörung zeigt, wissen wir schließlich nicht erst seit seiner Genozid-Ankündigung an die Adresse der Iraner ("Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren"). Dass er andere als "Tiere" bezeichnet und mit unflätigen Beleidigungen um sich wirft ("Öffnet die verfickte Straße von Hormus, ihr verrückten Bastarde - oder ihr werdet in der Hölle leben"), ist ebenfalls keineswegs neu. Und der Hinweis, Trump sei ein ahnungsloser Dilettant, ungehobelter Sprücheklopfer, notorischer Lügner und charakterloser Narzisst löst bloß noch ein gelangweiltes Gähnen aus. Tausendmal gelesen, steht überall. Wie langweilig!

Trump ist in seiner Unberechenbarkeit leider extrem berechenbar. All das, was man vorher prophezeit hat, scheint sich nämlich zu bewahrheiten: Er wird die amerikanischen Wirtschaft ruinieren, er wird alle Verbündeten vergraulen und vielleicht sogar die NATO zerstören, er wird seine politischen Gegner rachsüchtig verfolgen und dem Ansehen der Vereinigten Staaten massiv schaden. Nach 15 Monaten Amtszeit ist Trump auf dem besten Weg, jede ihm unterstellte Schandtat auch tatsächlich in die Praxis umsetzen, und er hat dazu noch endlos erscheinende 33 Monate Zeit. Trumps groteske Ruhmsucht (Ballsaal im Weißen Haus, Umbenennung des John F. Kennedy Centers, den geplanten Triumphbogen in Washington) ist da nur das Tüpfelchen auf dem i. Aber auch das hat sich mittlerweile abgenutzt, hinterlässt lediglich einen üblen Nachgeschmack. Alle Autokraten neigen zu monströsen, abgrundtief hässlichen Prunkbauten, über deren Geschmack man noch nicht einmal herzhaft streiten kann. So what? Man könnte es mit Humor versuchen, doch welche Witze macht man über einen Präsidenten, der sich ständig selbst blamiert? Donald Trump wird deshalb auch die Satire kaputt machen.

Wenigstens wurde in Ungarn "the dictator" Viktor Orbán abgewählt. Endlich einmal eine wirklich neue Nachricht, bei der man nicht sogleich verzweifelt. Und ich bin sicher, Orban-Freund Trump hat das Seine dazu beigetragen.