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17. Juni 2026, von Michael Schöfer
The Art of the Deal


Die Kunst des Verhandelns. Muaaaahahaha! Der beste Dealmaker der Welt. Muaaaahahaha! In Wahrheit ist Donald Trump nichts von alldem, sondern vielmehr ein dämlicher Stümper, der nicht nur seinem Land schwer geschadet hat. Im Februar hat er unzureichend vorbereitet einen Krieg gegen den Iran begonnen, aus dem er jetzt gerupft wie eine Weihnachtsgans wieder herauskommt. Trotz der gewaltigen Militärmacht, über die er verfügt. Trotz der militärischen Hilfe durch Israel. Aber offenkundig von Anfang an ohne sorgfältig durchdachten Plan, ohne klar definierte Kriegsziele und ohne einzukalkulieren, dass der Iran die Straße von Hormus blockieren könnte. Welch ein Versager!

Nun ist der Text der Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) bekanntgeworden, den man bloß als krachende Niederlage Trumps interpretieren kann [1]:

● Sofortiges und dauerhaftes Ende des Kriegs an allen Fronten, auch im Libanon

● Achtung der Souveränität und der territorialen Integrität beider Seiten, keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen

● Nach Abschluss des endgültigen Abkommens Abzug aller US-Truppen aus den umliegenden Gebieten

● Aufhebung der US-Seeblockade gegen iranische Häfen im Persischen Golf

● Ein Plan für den Wiederaufbau im Iran in Höhe von mindestens 300 Mrd. US-Dollar

● Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran

● Bis zur endgültigen Vereinbarung keine neuen Sanktionen gegen den Iran und keine Verstärkung der US-Truppen in der Region

● Ausnahme-Genehmigungen für den Export von iranischem Rohöl, Erdölerzeugnissen und Derivaten sowie für alle damit verbundenen Dienstleistungen (inklusive Bank-, Versicherungs- und Transportwesen)

● Freigabe der eingefrorenen oder beschränkten iranischen Vermögenswerte

Und was hat der beste Dealmaker aller Zeiten dafür bekommen? Nicht allzu viel:

● Die Islamische Republik Iran wiederholt, dass sie niemals Atomwaffen herstellen wird, der Status quo des Atomprogramms werde beibehalten, der Verbleib des angereicherten Urans und alle weiteren damit zusammenhängenden Fragen sollen im endgültigen Abkommen "angemessen geregelt" werden

● Freigabe der Straße von Hormus durch den Iran

Das ist aus der Sicht des Iran deutlich mehr als bloß der Status quo ante. Unglaublich: Das iranische Regime kommt aus dem Krieg besser heraus als es hineingegangen ist. Donald Trump bezeichnete das von Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran immer als "schrecklich", "einseitig" und das "schlimmste der Geschichte". Und nun schließt er eines ab, das noch schlechter ist. Im 2015 vereinbarten Atomabkommen drinzubleiben, wäre vorteilhafter gewesen. Was für ein Dilettant. Die iranische Bevölkerung gehört ebenfalls zu den Verlierern, das Mullah-Regime sitzt heute fester im Sattel denn je - es hat eine Supermacht besiegt.

Natürlich wird Donald Trump versuchen, in den USA seine Niederlage als Sieg zu verkaufen, um bei den Midterms nicht völlig einzubrechen. Lügen kann er ja. Leider werden sich die Amerikaner nicht mehr für die Details der nun folgenden, langwierigen und komplizierten Verhandlungen interessieren, sobald der Benzinpreis wieder auf dem Vorkriegsniveau angelangt ist. Und die verblendeten MAGA-Anhänger glauben ihm ohnehin jedes Wort - egal, welchen Stuss er von sich gibt. Ob er überhaupt begreift, was er da angerichtet hat, darf man bezweifeln. Der beste Dealmaker der Welt ist ja bekanntlich nicht die hellste Kerze auf der Torte.

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[1] Tagesspiegel vom 17.06.2026 und Süddeutsche vom 17.06.2026, Liveblog 08:04 Uhr