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15. Juli 2026, von Michael Schöfer
Bitte nicht schon wieder!

Wenn den Amerikanern inzwischen aufgegangen ist, welchen Trottel sie 2024 ins Weiße Haus gewählt haben, müsste es
eigentlich bei den Zwischenwahlen im November 2026 einen fulminanten Wahlsieg der Demokraten geben. Als William McKinley, Trumps großes Vorbild, in seiner Zeit als Abgeordneter stark preistreibend wirkende Zollsätze durchsetzte, verloren die Republikaner 1890 die Midterms erdrutschartig: Mit einem Minus von 93 Sitzen, während die Demokraten 86 Sitze hinzugewannen und sich obendrein die Mehrheit im Repräsentantenhaus sicherten: Sie errangen mehr als zwei Drittel der Mandate. Sieht man von den Wahlen in der Zeit der Großen Depression nach dem Börsenkrach von 1929 ab, war es der höchste Sieg der Demokraten bei der alle zwei Jahre stattfindenden Neuwahl des House.

Jeden Morgen denkt man beim morgendlichen Nachrichtencheck: Bitte nicht schon wieder! Am 13. Juli verkündete der US-Präsident, dass er für Sicherheitsleistungen in der Straße von Hormus 20 Prozent des Frachtwerts der durchfahrenden Handelsschiffe zu erheben gedenkt. Rechtsgrundlage? Egal! Doch einen Tag danach war das Ganze schon wieder passé, nun soll es stattdessen Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten geben. Angeblich war das - laut Trump - das Ergebnis von "äußerst produktiven Gesprächen" mit nicht näher benannten Staaten der Region. Ob die überhaupt davon wissen? Bei Trump ebenfalls egal.

Seine neueste Rolle rückwärts: "In einem Interview mit dem US-Sender Fox News drohte Trump Iran erneut mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes. Nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, 'es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln', so Trump." [1] Angriffe auf die zivile Infrastruktur sind übrigens ein Kriegsverbrechen. Bereits Anfang April drohte er dem Land mit seiner "völligen Zerstörung": "Eine ganze Zivilisation wird heute sterben und nie mehr zurückkehren." [2] Dass er das iranische Volk ursprünglich vom blutrünstigen Regime in Teheran befreien und nicht vernichten wollte? Anscheinend längst vergessen! Oder nicht mehr wichtig. Was kümmert Trump sein Geschwätz von gestern?

Er will also die Mullahs an den Verhandlungstisch zurückbomben, obgleich er das Rahmenabkommen mit dem Iran noch vor wenigen Tagen selbst für beendet erklärt hat. "'Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum.' Er halte es für reine Zeitverschwendung, sich mit Vertretern des Irans abzugeben." Ausgerechnet er beklagt: "'Das sind Lügner', schimpfte Trump." [3] Ja, was denn nun? Entweder nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen oder sie an den Verhandlungstisch zurückbomben? Beides widerspricht sich diametral. Und darüber, wer am Ende die längere Lügennase sein Eigen nennt, müssen wir uns noch unterhalten.

Jede neue Äußerung von Trump belegt, dass er den Krieg gegen den Iran vor viereinhalb Monaten ohne schlüssiges Konzept und ohne durchdachte Strategie begonnen hat. Seitdem hat sich daran offenbar nichts geändert. Der US-Präsident schlingert planlos zwischen Extremen hin und her, anscheinend ist er völlig ratlos, wie er sich aus der von ihm selbst fabrizierten Sackgasse befreien kann. Es ist beileibe nicht so, als hätten die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit stets über ein schlüssiges Konzept verfügt, aber der gegenwärtige Zustand ist zweifellos der absolute Tiefpunkt politischen Könnens. Fehler kann man machen. Aber diese hartnäckige Weigerung, aus den eigenen Fehlern auch zu lernen, ist in hohem Maße irritierend. Der Oberbefehlshaber der stärksten Armee der Welt hinterlässt vielmehr den Eindruck, als säße ein von Launen getriebenes Kind am Schreibtisch des Oval Office. Ob das den amerikanischen Wählerinnen und Wählern gefällt, werden wir im November erfahren (falls es dann überhaupt noch freie und faire Wahlen geben sollte).

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[1] tagesschau.de vom 15.07.2026
[2] ZDF vom 07.04.2026
[3] ZDF vom 10.07.2026